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Dan Davis im Interview mit BEAT WITTWER
Der Schauspieler über Wölfe im Schafspelz, Schafe im Wolfspelz, David Lynch & Big Brother
Der Schauspieler Beat Wittwer spielte in der Vergangenheit in Fernsehserien wie "Fahndungs- akte" (SAT1), "Doppelter Ein-
satz" (RTL) oder auch "Berlin, Berlin" (ARD). Er glänzte in Fil-
men wie "Dunkle Zeit", "Nacht der verlorenen Seelen", "SCHI-
ZO" oder "Und Jimmy ging zum Regenbogen". Dan Davis befragt
den Charakterschauspieler zu
aktuellen Projekten, seiner Ver-
gangenheit, Politik, Wölfen im
Schafspelz, "1984", David Lynch,
seiner Perfomance "Marqis de
Sade" & vielem mehr.
Links: Beat Wittwer (by B. Wittwer).
Beat Wittwer spricht ausführlich über seine Sicht der Welt und fragt sich, ob es neben Wöl-
fen im Schafspelz auch Schafe im Wolfspelz gibt. Sind wir auf dem Weg zur "STASI 2.0" in Deutschland? Und wie denkt er über Fukushima und die Schlüsse, welche die Menschheit
daraus ziehen sollte, sowie Big Brother - in einer Zeit, in der zuweilen selbst der Präsident der USA live am Fernseher die Erstürmung und Ermordung von Personen in „deren Schlaf-
zimmern“ bei „Chips und Cola“ befehligt und mitverfolgt. Und wohin wird sich der Terrorismus
hin entwickeln, wenn der Ausbau des Überwachungsstaates weiter voran schreitet? Dies,
sowie einige Einblicke in Filme wie "Dunkle Zeit" oder Themen wie Hollywood und David
Lynchjetzt hier im COVER UP! Newsmagazine:
Rechts: Der Schauspieler Beat Wittwer
(by Beat Wittwer).
Dan Davis: Hallo Beat. Was steht bei Dir
2011 an Film-Projekten an?
Beat Wittwer: Im Moment habe ich zwei
Anfragen bekannter Serien, die wohl gerne
mit mir arbeiten würden. Gedreht werden
würde im Sommer/Herbst 2011 in Spanien und Südfrankreich, also schon recht reizvoll... Frauen, Wetter, weißt schon. Aber ich wer-
de erst mal, wie immer, das Casting abwar-
ten, die Drehbücher lesen, dann entschei-
den. Und nebenher versuche ich noch die
Zeit zu finden, für meine eigenen Projekte.
Förderungen, Sponsoren, etc. müssen im-
mer wieder neugierig gemacht und mit ins Projekt eingebunden werden. So wie bei
meinem „Verlebt in Berlin“-Projekt, das ich produziere und welches seit langem im Schweizer Fernsehen und deren Wettbe-
werb „Frischfilm“ unter den ersten Rängen rangiert. Meinen Teaser und die Pilotenfolge fanden die geil.
Dan Davis: Du hast ja in der Vergangenheit in den verschiedensten Filmen mitge-
wirkt, ich erinnere an Rollen in „Die Nacht der verlorenen Seelen“ (ZDF), „Und Jimmy
ging zum Regenbogen“ (ZDF), aber auch in SCHIZO (Pro 7) als Picasso. Was hat Dich dazu bewegt, Schauspieler zu werden und nicht etwa Verkäufer für Stofftiere?
Beat Wittwer: (lacht herzlich) Ja, die Nacht der verlorenen Seelen war ein wirklich spannen-
des Projekt. Mein erster Film mit Kindern. Kinder haben etwas sehr pures, sie spielen spon-
tan und machen sich keine Gedanken darüber, wie etwas wirkt. Naja, und wie eben diese
Kinder in „Die Nacht der verlorenen Seelen“ hatte ich auch schon immer diesen nicht zu bändigen Trieb in mir zu spielen, zu kreieren, in Menschen einzutauchen und mir zunächst fremde Wesen anzueignen, um sie dann verstehen zu können. Also mich dem zunächst Fremden annehmen; Menschen zu beobachten, zu sezieren und dann mir, hoffentlich auch
Ihnen selbst, aufzuzeigen, warum und wie sie in der Gesellschaft fungieren. Das ist es, was
ich will, kann und wofür ich gerne jeden Morgen wieder aufstehe. Aber bei „Und Jimmy ging
zum Regenbogen“ waren es dann doch Heino Ferch und Dennenesch Zoudé, die Haupt-
rollen übernahmen und an deren Seite ich, in meiner Rolle als amerikanische Geheimagent, sehr viel lernen konnte.
Dan Davis: Du hast am Anfang Deiner Laufbahn die Hochschule für Schauspiel-
kunst „Ernst Busch“ in Berlin besucht. Wie war diese Zeit rückblickend und lebst Du immer noch in Berlin?
Links: Beat Wittwer (by
Beat Wittwer).
Damals in den Wirren der frühen Neunziger stand auch meine liebe „Ernst Busch“ noch zwischen den Syste-
men. Es war eine strenge, elitäre, ja fast militant ge-
führte Ausbildung. Aber dennoch waren wir wohlbe-
hütet, die Dozenten hatten immer ein offenes Ohr für
uns und bis heute findet
ein reger Austausch mit damaligen Lehrenden und
Kommilitonen statt. Wir
waren und sind noch eine eingeschworene Gemeinde.
Berlin, ja! Günstig, kreativ
und immer im Umbruch, immer weiter, immer neu. Das hält mich hier, schon seit vielen
Jahren.
Dan Davis: Deine Laufbahn wurde auch von einigen Kurzfilmen geprägt. Gibt es ein
Projekt, welches Du als Kurzfilm gerne noch machen würdest?
Beat Wittwer: Huh. Es gibt immer wieder Kurzfilme, die mir angeboten werden. Kurzfilme geben einem die Möglichkeit, sich intensiver und experimenteller auf eine Sache einzulas-
sen. Meistens sind es Studenten, die noch näher am Wesen des Filmemachens, frischer
und experimentierfreudiger, sind. Viele Schauspieler in der Branche unterwerfen sich der Fließbandarbeit und vergessen dabei die Aufgabe des Schauspielers. Und das ist eben der
große Reiz für mich an Kurzfilmen. Ich habe die Zeit und vor allem den Drang, mich voll auf
den Stoff, die Menschen und Dramaturgie einzulassen. Ich darf in diesen filmischen Welten wirklich leben, während es in der alltäglichen Serienarbeit dann doch oft darum geht, eine bestimmte Leistung abzurufen und mehr aber auch nicht. Damit will ich natürlich nicht die Arbeit in der „Serie“ diskreditieren, denn letztlich kann man diese nicht miteinander verglei-
chen.
Zwei unterschiedliche filmische Praxen, die beide ihren Reiz haben und doch möchte ich
mich auch in Zukunft weiterhin gern in Kurzfilmen ausprobieren, mich da einbringen. Um
eben nicht müde zu werden von den immer gleichen Prozessen. So bleibe ich als Schau-
spieler weiter lebendig, diese künstlerische Freiheit lässt mich atmen und lehrt mich meine Berufung aufs immer wieder neue zu lieben. Pathetisch, wa? Aber wahr.
Dan Davis: Inzwischen hast Du Dich sogar als Regisseur mit Projekten wie „Marqui-
se de Sade“ (2008) auseinandergesetzt. Wie kam es zu dem Projekt?
Rechts: Der Schauspieler Beat Wittwer(by Beat Wittwer).
Beat Wittwer: Der Zufall, mal wieder. Eigentlich haben Michel Valentino und
ich, er ist ein Fotograf und guter Freund, eine Ausstellung in den Räumlichkeiten des Industriedenkmals "Kraftwerk Vock-
erode" mit Gregor Seyffert geplant.
Als wir dann in den Räumlichkeiten ta-
gelang geeignete Plätze suchten, immer-
hin waren es Bilder, die eine Größe von
8m x 10m und auch 10m x 14m hatten, kamen wir eben immer wieder mit Gregor ins Gespräch. Wir arbeiteten ja alle in diesem Kraftwerk an unseren Projekten. Und auch wenn diese Räume mit einer Höhe von 60 – 70m und einer Länge von
bis zu 200m, riesig waren, unser Kon-
takt war doch bald recht eng. Es gab
verschiedene Kellerbereiche und Unter-
grundschächte... Es bot sich einfach an, etwas düsteres und abgedrehtes zu ma-
chen, die Räume schreiten gerade da-
nach... Übrigens war die Performance ein fester Bestandteil des Theaterspektakel von und mit Gregor Seyffert.
Ich habe sie so eingebaut, dass es sich mit dem Tanzstück vermischt. Es war eine richtig
unheimliche und auch super spannende Sache.
Dan Davis: Unter anderem hast Du auch in Fernsehserien wie „Fahndungsakte“
(SAT1) oder „Doppelter Einsatz“ (RTL) mitgewirkt. Was wären Deine Traumrollen?
Eine Serie von David Lynch?
Beat Wittwer: Eine Serie von David Lynch, ja das wäre sicherlich eine geheimnisvolle und
sehr spannende Arbeit. Ich glaube es gibt nur wenige Schauspieler, die nicht mit David Lynch arbeiten würden.
Wann eine Rolle zur Traumrolle wird, kann ich ja erst nachdem ich sie spielen durfte sagen. Wenn das Buch, die Menschen, der Dreh selber mich gefordert und inspiriert haben wie nie zu vor, dann kann ich mir sagen, das war ein Traum. Einige wenige Male hatte ich fast die-
ses Gefühl. Aber das ich meine Traumrolle schon erwischt hätte oder gar wüsste, welche es
ist, hängt von so vielen Dingen ab.
Dan Davis: Was machst Du, wenn Du nicht als Schauspieler arbeitest?
Links: Der Schauspieler Beat Wittwer
(by Beat Wittwer).
Beat Wittwer: (lacht) Ich esse, trinke, atme und habe Sex, mache Sport und halte mich fit. Besuche meine Freunde und Eltern. Nebenbei schreibe ich auch
an eigenen Projekten, wie gerade jetzt wieder an „Verlebt in Berlin“, wie vorhin
ja schon erzählt.
Dan Davis: Du hast in dem Film „Dunkle Zeit“ (DFFB/Kino) die Hauptrolle (Atre) gespielt. Kannst
Du etwas über den Film berichten?
Beat Wittwer: Eine sehr eindrückliche Arbeit von allen Beteiligten, ich hatte
mich wochenlang darauf vorbereitet.
Erst mal musste mein Gewicht runter,
um etwas dürr und schmächtig zu er-
scheinen. Jeden Abend Waldläufe auf nackten Füssen zwecks Abhärtung der Fußsohlen und steigern der Kondition. So habe ich versucht, mich in der Wild-
nis, sofern wir das hier in Europa noch
so nennen können, zurecht zu finden. Diese Physis und Psyche eines Menschen zu erlangen, der in Zeiten lebte, als die Men-
schen gerade mal verstanden, sich das Feuer eigen zu machen, ist eine große Herausfor-
derung gewesen.
Dan Davis: Apropos „Dunkle Zeit“: Wie siehst Du die aktuelle Weltlage nach Fuku-
shima. Denkst Du, die Menschheit wird sich eines Tages selbst vernichten oder krie-
gen wir die Kurve noch?
Beat Wittwer: (schmunzelt) Es gab viele Kurven und es wird noch viele Kurven geben. Aber diese Frage an sich ist ja schon so spekulativ und allgemein, dass auch ich da nur allge-
mein antworten kann, oder spekulieren könnte.
Ich denke, so lange der Mensch lebt, hat er den Drang zu überleben, das einzige was ihn immer wieder zu Fall bringt, ist die Gier nach Macht. Nicht das Macht haben selbst, son-
dern eher die Verantwortung, die mit ihr kommt und das Ausnutzen und Missbrauchen die-
ser. Es ist nicht mehr ein Nehmen und Geben, sondern nur noch ein Nehmen und Durch-
setzen. Wie bei kleinen Kindern, die etwas wollen und es durchsetzen. Der Konsument,
der Bürger, das Volk, alle, die wir in einem System zusammen leben, haben die Möglich-
keit, denen da oben die rote Karte zu zeigen.Wir haben immer die Möglichkeit Nein zu
sagen. Aber weil dann doch oft der persönliche Vorteil vor dem Allgemeinwohl steht, sagen
so viele Menschen dann doch immer noch Ja zur Atomkraft.
Dan Davis: Derzeit sind ja einige Bürger über den massiven Ausbau des Überwa-
chungsstaates besorgt. „Big Brother is watching you!“ Siehst diesen Ausbau eher positive, nach dem Motto „Weniger Straftaten und mehr Sicherheit durch mehr Überwachung“ – oder siehst Du die Sache eher kritisch (Schließlich leben wir in
einer Welt, bei der selbst der Präsident live am Fernseher die Erstürmung und Ermordung von Terroristen oder womöglich auch manchmal „Scheinterroristen“ in „deren Schlafzimmern“ bei „Chips und Cola“ befehligt und zuweilen mitverfolgt)?
Beat Wittwer: Weniger Straftaten und mehr Sicherheit? Hm, diese Worte passen irgendwie nicht ganz zusammen. Naja, ich glaube, solange es nur„Big Brother is watching you!“, und hier lege ich die Betonung auf „watching you“, ist, ist es ok. Ich habe nichts zu verbergen. Und den Umgang mit Kameras bin ich gewohnt. (Lacht)
Also meiner Meinung nach bedient sich die Politik auch und vor allem des Mittels der Einschüchterung, Angstmache. Verspricht die Lösung von Problemen, deren Ursprung sie selbst schuf.
Dan Davis: Ja, sehe ich auch so, dass sie Lösungen zu Problemen anbieten, deren Ursprünge zuvor von ihnen geschaffen wurden. Die Frage ist natürlich, ob Terroris-
ten sich den neuen Gegebenheiten der Überwachung nicht ohnehin anpassen. In
naher Zukunft werden vermutlich echte Kriminelle ohnehin annehmen, überwacht zu werden. Und so vermehrt Sachen in ihren Räumlichkeiten tun und sagen, die nicht der Wahrheit entsprechen, wenn sie z.B. „9/11 2.0, 3.0 oder 4.0“ planen. Anstelle von mehr Sicherheit wird möglicherweise mehr Unsicherheit entstehen, weil die Täter sich anpassen und immer mehr „ohne Vorwarnung“ und scheinbar aus dem Nichts agieren werden?
Rechts: B. Wittwer (by Beat W.)
Beat Wittwer: Ich habe noch kei-
nen Täter fragen können, aber wenn ich die Möglichkeit habe, werde ich dieses tun. Wie entsteht Terroris-
mus? Kann man ihn nicht einfach aushebeln? Ich selber finde es furchtbar, was der heutige „Terroris-
mus“ die Menschen veranlasst zu
tun. Und aber auch dieser Terroris-
mus wird mit der Zeit gehen, wie
es alle Menschen machen, und
wird sich neuen Gegebenheiten anpassen.
Dan Davis: Wie weit ist es von der STASI der DDR noch zur STASI 2.0“ in Deutschland?
Beat Wittwer: Wie es in den nächsten 20 Jahren aussieht, wird sich zeigen. Spekulationen
sind meistens Risikoangelegenheiten.
Dan Davis: Du hast in der Serie „Berlin, Berlin“ der ARD, die mit dem Grimme Preis ausgezeichnet wurde, die Rolle von Luzifer gespielt. Gibt es eine Rolle, die Du nicht
spielen würdest? Und falls ja, warum?
Beat Wittwer: Am Anfang steht eine Idee, ein Script, ein Drehbuch, da überlegt sich jemand etwas oder erzählt was aus seinem Leben, oder er erfindet frei eine Geschichte. Jedenfalls möchte diese Person etwas gefühltes, oder erlebtes mitteilen. Je genauer und je umfang-
reicher er dieses tut, desto neugieriger kann er mich machen. Wenn mich eine Geschichte interessiert, dann möchte ich mehr und mehr wissen, meistens ertappe ich mich dabei, das
mein Kaffee kalt geworden ist. Finde ich eine Geschichte spannend, möchte ich als Schau-
spieler dabei sein und mit meinen Fähigkeiten die Figur zum Leben erwecken.
Und im Vornherein will ich mich aber keiner Rolle verweigern, vor allem dann nicht, wenn ich in Ihr die Möglichkeit sehe, dem Zuschauer Facetten eines Menschen verständlich zu ma-
chen, die er vorher vielleicht noch nicht wahrgenommen hat.
Dan Davis: Wird die Welt von Halunken regiert, die sich oftmals als „Wölfe im Schafspelz“ ausgeben?
Links: Schauspieler Beat Wittwer
(by Beat Wittwer).
Beat Wittwer: Gibt es auch Scha-
fe im Wolfspelz? (muss lachen)... Das wäre doch mal ein Kostüm. Jeder, der an einer Schnittstelle
sitzt, einen Teil dazu beizutragen
zu können, wie es in der Welt aussehen wird, möchte diesen kreativen, oder auch nicht kreati-
ven Prozess nicht mehr hergeben. Kreativität begleitet den Mensch-
en schon seit je her. Seit wir
überhaupt bemerkt haben, dass wir denkende Wesen sind und
wir uns ein gewisses Wissen angeeignet haben, wissen wir, dass unser Wissen darüber hin-
ausgeht, nur zu wissen, das wir wenig wissen.
Jeder hat gute und miese Seiten in sich, alle müssen die Hosen runterlassen, wenn sie aufs Töpfchen gehen.
Die einen haben gelernt, etwas zu akzeptiert und können damit umgehen, die anderen ha-
ben es nicht gelernt und können folgerichtig auch nicht damit umgehen. Es ist nicht wichtig,
ob du mies oder nett bist, wichtig ist, dass du ein Bewusstsein dafür entwickelst, was gut
und was nicht gut ist, oder wer gut oder wer nicht so gut ist. Wer in diesem kreativen Pro-
zess ist, die Welt verändern zu können, oder zumindest an jener Schnittstelle dieses mit-
gestaltet, wird früher oder später zu etwas gebracht, was er vorher so nicht sah.
Dan Davis: Dein aktueller Lieblingsfilm?
Beat Wittwer: Mein aktueller Lieblingsfilm... Sind Lieblingsfilme aktuell? Hm. Es gibt Filme,
die ich mir öfters anschaue, je nachdem, in welcher Stimmung ich bin.
Dan Davis: Gibt es einen Film, an dem Du mitgewirkt hast, der Dir besonders viel
bedeutet? Und falls ja, warum?
Rechts: Schauspieler
Beat Wittwer (by Beat
Wittwer).
Beat Wittwer: Ja klar,
zum Beispiel letzten Som-
mer wurde ich gefragt, ob
ich von einem Tag auf den anderen in dem Kurzfilm „Wüstland“ von Felix Har-
muth die Hauptrolle über-
nehmen will. Und die An-
frage kam nachts um 12
Uhr, Drehbeginn am Mor-
gen danach. Die Vorbe-
reitung bestand also aus
einem Bier und einem gu-
ten Gespräch im nächtlichen Mauerpark. Diese Spontaneität, Energie und das Buch haben
mich sofort gepackt, mitgerissen und die Nacht vor Freude nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Und diese eigenwillige Energie trägt dieser Film auch jetzt, in seiner fertigen Form,
noch in sich und läuft schöner weise auf diversen Festivals. Herausfordernd und sehr präsent
ist mir immer noch das Arbeiten mit dem kleinen Jungen, der mein Spielpartner war. Dieser harte und direkte Stoff, über eine Familie, die eigentlich dem Tod geweiht ist, wo es vor al-
lem für den Vater, also meine Rolle, keine andere Möglichkeit mehr gibt, seinen Jungen zu schützen, als zu versuchen, ihn mit aller Gewalt vor dem Übel dieser filmischen Welt zu schützen.
Felix und ich pflegen unsere Freundschaft sehr, reden über künftige Projekte und planen
Gemeinsames. Also eine schöne Schauspieler-Regie (und doch auch viel mehr) -Beziehung,
die da entstanden ist.
Dan Davis: Was ist die Hintergrundgeschichte des Musikvideos „The Dielectric“, in
dem Du mitwirkst?
Beat Wittwer: In diesem Projekt stand die Musik im Vordergrund. In der Geschichte geht es darum, dass ein Mann von einem Auto angefahren wird und nicht sterben kann, das heißt, er wird in die Zwischenwelt neu hineingeboren. Er ist sich nicht sicher, ob er wirklich tot ist oder
ob er noch unter den Lebenden weilt. Es gibt zwei Versionen von diesem Video, eines welche ausgestrahlt wurde und eine nicht ganz jugendfreie.
Dan Davis: Letzte Frage: Ist Hollywood eine Option?
Beat Wittwer: Hollywood ist genauso Option wie jede andere Stadt auch. Und zum Glück
bin ich gerade durch meinen Beruf nicht wirklich an Örtlichkeiten gebunden. Ich möchte
Filme machen, der Ort ist mir ersteinmal egal. Es ist immer schön, wenn Menschen sich zusammenfinden, gemeinsam an etwas arbeiten und deren gemeinsame Energie eine Idee
zu einem Film werden läßt. Vor allem will ich emotional berühren und bewegen und da wo
ich Geschichten, kreative Menschen und Ideen finde, die mir das ermöglichen, da bin ich
zu Haus.
Dan Davis: Danke für das Interview.
(COVER UP! Newsmagazine, 4.5.2011)
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