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Dan Davis im Interview mit DAS ICH
über die neue CD KOMA, "1984" & 2011, Gott
& Antichrist, AtomKRAFT & AtomTOT
Dan Davis befragt die Elektro-
Dunkelgötter von DAS ICH zu allerlei Themen, der neuen CD
KOMA, Fahrenheit 451, 1984,
Überwachungsstaat & Gehirn-
wäsche. Ist Gott tatsächlich tot, wie man aus dem ersten Clubhit von DAS ICH aus vergangenen Tagen ableiten könnte? Oder haben die DAS ICH-Forschun-
gen zwischenzeitlich zu einem
anderen überraschenden Ergeb-
nis geführt? Und wie sieht es
mit dem Antichristen aus? Und
was steht bei DAS ICH noch so
an? Jetzt hier lesen!
Links: Bruno Kramm und Stefan Ackermann von DAS ICH (by D.I.)
Sie gehören seit vielen Jahren zu den beliebtesten Bands der schwarzen Musikszene und
brachten bereits vor zwei Jahrzehnten mit Clubhits wie "Gottes Tod" die Tanzflächen zum
beben. Gerade werkelt die Band an der neuen CD KOMA. Grund genug für Dan Davis sich
mit Bruno Kramm über das aktuelle Befinden zu erkundigen und Themen aufzugreifen, die seit einiger Zeit die Welt bewegen. Wie denkt DAS ICH über Atomenergie und die Katas-
trophe von Fukushima? Leben wir in den prophezeiten "Letzten Tagen"? Dies und vieles
mehr jetzt hier im COVER UP! Newsmagazine.
Rechts: Cover der CD KOMA von
DAS ICH.
Dan Davis: Hallo Bruno! Schön,
dass Du Dir Zeit für ein kurzes Interview gefunden hast. Ende
2011 erscheint die neue CD
KOMA von euch. Wie weit
seid ihr mit dem Tonträger und könnt ihr ein paar Worte dazu sagen?
Bruno Kramm: Aus gegebenem
Anlass wird das wohl noch ein bisschen dauern. Stefan ist
schwer krank und ich werde erst
einmal eine Weile pausieren, be-
vor wir weitermachen. Das hängt
alles auch von seiner Genesung
ab. Was KOMA betrifft, werde ich
wohl noch ein paar Mixe machen, denn Stefan hat bereits alle seine Parts beigesteuert.
Dan Davis: Dann wünsche ich an dieser Stelle als erstes Stefan gute Besserung.
Kann man die CD bereits vorbestellen?
Bruno Kramm: Man kann sie vorbestellen, insofern man die limitierte Box inklusive Buch
erhalten möchte.
Dan Davis: Bruno, nachdem Du „1984“ (passend zur Frage...) das Projekt „DECORA-
TED STYLE“ ins Leben gerufen hast, folgt in Deiner Laufbahn das Projekt „FAHREN-
HEIT 451“. Dieser Begriff geht ja auf einen dystopischen Roman von Ray Bradbury zurück, der in vielen Details ein wenig an „1984“ von George Orwell erinnert. In
dem Buch „451“ werden alle Bücher verboten und es geht um das Thema „Gehirn-
wäsche“. Als der Autor, der ich bin, muss ich Dir natürlich die Frage stellen, was
Dich dazu veranlasst hat, diesen Roman als Projektnamen zu wählen?
Links: Bruno Kramm und Ste-
fan Ackermann von DAS ICH
(by "Das Ich").
Bruno Kramm: Damals hatten
mich all jene Romane wie Hux-
leys Schöne Neue Welt, Orwells
1984 und eben Ray Bradburys Fahrenheit 451 stark beeinflusst.
Es ist wohl auch meiner dama-
ligen Jugend geschuldet, dass
ich mich so sehr für futuristisch-
es interessierte. Heute, mit über
40, ist die Gegenwart doch weit wichtiger geworden. Gehirnwä-
sche und die gesetzliche Willkür
war lange eine Angstvision von
mir. Mittlerweile sind einige der Dinge aus diesen Romanen
längst Vergangenheit oder so-
gar überholt worden. Diese The-
men waren inhaltlich immer ein Grundtenor dieser frühen Bands.
Dan Davis: Wurde „1984“ also inzwischen Realität?
Bruno Kramm: Das wurde längst eingeholt, natürlich nicht in seiner dramaturgischen Über-
spitzung, aber den gläsernen Bürger dank Internet haben wir ja bereits.
Dan Davis: Mein erstes DAS ICH-Konzert liegt schon zwei gefühlte und wahrschein-
lich auch in etwa echte Jahrzehnte zurück und war noch zu den Anfangszeiten eu-
res Club-Hits „Gottes Tod“. Ich habe euch dann viele Jahre später wieder auf einem
Zillo-Festival gesehen und musste feststellen, dass ihr euch musikalisch extrem wei-
terentwickelt hattet. Ist Gott immer noch tot oder gibt es zwischenzeitlich bei DAS
ICH neue Forschungen? Und in welcher Form interpretiert Ihr Gott?
Rechts: Cover der CD "Die Pro-
pheten" von DAS ICH mit dem
Club-Hit "Gottes Tod".
Bruno Kramm: Gott als Unbe-
kannte X für all das, was wir uns
momentan noch nicht erklären
können, ist schon präsent. Mystik und Wissenschaft sind zwei Sei-
ten der gleichen Medaille. Das Menschen an Gott glauben kön-
nen ist eine wundervolle Sache
und vermag in persönlichen Kri-
sen sicher weiterzuhelfen. Doch
die Dämonisierung Andersdenken-
der und der permanente Versuch
zu missionieren geht meiner Mei-
nung nur von jenen aus, die ihrem eigenen Glauben misstrauen und
gerne die globale Bestätigung für
die Echtheit des Glaubens hätten.
Dan Davis: Und wie sieht das mit dem Antichristen aus? Auch zu ihm habt ihr ein komplettes Album geschrieben, welches heute noch meiner Meinung nach zum Besten gehört, was Ihr jemals aus der Hölle auf die Erde gezogen habt. Dieses Al-
bum beschäftigt sich ja mit biblischen Themen. Leben wir Eurer Meinung nach in
der Zeit des Antichristen oder ist der auch schon über den Jordan zu Gott gewan-
dert?
Links: Cover der CD "Anti-
christ" von DAS ICH.
Bruno Kramm: Na ja unser
Antichrist war eher ein politi-
sches Symbol. Die Art und
Weise wie aus politischem Kalkül heraus Dinge zum An-
tichristen deklariert werden. Damals war ja gerade der 9/11 Anschlag passiert, da hatte
dieses Album einen großen
Einfluss. Jedes Elektron hat
ein Antiteilchen, und so muss
es auch im Glauben sein. Ge-
genseitig annihiliert sich das
dann unter Emission von
Energie oder Emotion.
Dan Davis: Leben wir in
den prophezeiten „Letzten Tagen“ oder gibt es die
Deiner Meinung nach womöglich gar nicht?
Bruno Kramm: Ich glaube wir leben in einer sehr schwierigen Zeit des Umbruchs. Es gilt die globalen, politischen und ökologischen Probleme zu besiegen um allen Menschen einen le-
benswerten Platz in diesem Leben zuzubilligen. Das geht nur mit einer nachhaltigen neuen Ökonomie, die an Stelle des permanenten Profits den Gewinn für die Gesellschaft in den Vordergrund stellt. Viele der rein kapitalistisch egoistisch produzierten Güter sind mit den externalisierten Kosten gar nicht rentabel. Das muss sich ändern, damit es nicht um die
letzten Tage geht.
Dan Davis: Welche CD würdest Du dem Leser empfehlen, der noch nichts von euch gehört hat? Was unterscheidet DAS ICH aus dem Jahr 1991 Deiner Meinung nach
am meisten und auffallendsten von DAS ICH 2011?
Rechts: Cover der CD "Cabaret"
von DAS ICH.
Bruno Kramm: Cabaret und Anti-
christ sind sicher zwei sehr reife
und vielschichtige Alben. Aber
wir konnten es noch nie allen
Recht machen, denn wir sind nun
mal keine geschmacksneutrale Popband. Wir sind sicher interes-
santer und nicht so plakativ wie
in den Anfangstagen.
Dan Davis: Welche Musik hört
Ihr privat?
Bruno Kramm: Privat ist neben
Klassik russischer Prägung auch
viel Filmmusik dabei. Im Populär-
bereich eher ruhigere Sachen.
Dan Davis: Ein großartiges Album von Euch ist das von Dir bereits angesprochene CABARET aus dem Jahr 2006. Sieht DAS ICH „sich selbst“ auch als eine Art schwar-
zes Cabaret, oder wie würdest Du Eure Shows und Musik umschreiben?
Bruno Kramm: Zumindest dieses Album. Die Idee war nun mal dieses Cabaret, das all die schmutzigen Dinge der Realität auf einer verrotteten Bühne präsentiert. Am Anfang wird man
ins Theater gerufen und dann am Schluss mit einer Danteschen Erkenntnis freigelassen. Ist natürlich eine dramaturgische Überspitzung, aber dazu sollte Musik immer fähig sein.
Dan Davis: Hat die Kunst noch genügend Freiraum in der Welt?
Links: Cover der CD "Lava" von DAS ICH.
Bruno Kramm: In der westlich-
en Welt auf alle Fälle. Doch wenn man dann nach Zhon guo schaut und sieht wie mit Ai Wei
Wei und anderen Künstlern um-
gegangen wird, sieht man mal wieder, in welchem Luxus wir
hier leben.
Dan Davis: Vielleicht ein kur-
zes Statement zu den hinter-
gründig noch immer aktuel-
len Ereignissen in Japan und
der Verkettung unglücklicher Umstände vom Erdbeben
zum Tsunami und am Ende
die Reaktorkatastrophe. Seid
Ihr noch für oder gegen Kern-
energie? Wie groß sind die Chancen, dass sich die Menschheit eines Tages, so wie
es dem mythischen Atlantis angelastet wird, selbst vernichtet?
Bruno Kramm: Natürlich durch und durch dagegen und das nicht erst seit Fukushima, denn
der Wahnsinn der Kernkraft ist seit den 80ern klar. Wohin mit dem Müll der über hunderte
von Generationen weiterstrahlt? Wir müssen eine neue Form von Verzicht finden und ihn als Genuss am Leben begreifen. Nachhaltigkeit, regenerative Energien und eine neue Kultur der
Begrenzung für eine bessere Welt für alle ist nicht nur ein Motto, sondern der Erziehungs-
auftrag.
Dan Davis: Was steht bei euch außer der CD KOMA in 2011 noch an? Geht ihr auf
Tour?
Bruno Kramm: Da Stefan sehr krank ist, werden wir erst einmal nicht spielen. Es gibt ein
paar Festivalauftritte, die wir gemeinsam mit vielen anderen Musikern bestreiten, das war es
dann erst einmal.
Dan Davis: Bruno, vielen Dank für das Interview und alles Gute für die CD KOMA.
Und für Euch.
Oben: DAS ICH (by DAS ICH).
(COVER UP! Newsmagazine, 17.6.2011)
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