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Dan Davis im Interview mit DIE KRUPPS
Davis befragte Jürgen Engler zu Themen wie Überwachungs-
staat, RAF, Politik und Musik
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 




 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Bild oben: Sänger Jürgen Engler von DIE KRUPPS (Copyright by Jürgen Engler).
 
Sänger Jürgen Engler zu Dan Davis:
"Die Deutschen die duckmausern, die halten die Klappe, die lassen sich am Stammtisch aus oder zu Hause. Und das war’s. Und ich sage immer wieder, ich finde das wirklich unglaublich! ...  Das
Ding ist doch, was mich am meisten
drüber ärgert, dass die Leute nicht auf
die Barrikaden gehen.Das die Deutschen sich immer duckmauserisch still halten..."
 
 
Links: Jürgen Engler, Sänger und Frontman von "Die Krupps".
 
Dan Davis: Ihr habt ja vor einigen Jahren
eine CD herausgebracht mit dem Titel „Volle Kraft Null Acht“, wo andere Ban-
ds, wie Girls under Glass, Project Pitch-
fork oder Leatherstrip, eure Songs inter-
pretiert haben. Wie kam es dazu?
 
Jürgen Engler: Das sind eigentlich nur deutsche Songs, weil das ursprüngliche Album hieß ja „Volle Kraft voraus“. Wir ha-
ben den Backup-Katalog herausgebracht.
Der kommt auch noch so Häppchenweise. Jedes Jahr kommen zwei Pärchen raus.
Und das erste war „Volle Kraft voraus“. Die Idee war einfach, dass wir jedes Album aufwerten wollten. Wir haben die ursprüng-
lichen Versionen bei der „1“ mit draufgepackt.
Meiner Meinung nach sind die alle wesent-
lich besser gewesen, als die Versionen, die damals auf der LP gelandet sind. Die haben wir damals noch selber gemischt und es kam später noch John Fryer mit ins Boot und hat mit uns die Sachen neu gemischt. Und ich habe das Gefühl, dass diese neuen Version-
en unheimlich steril und kalt klingen, währ-
end unsere eigenen Mixe ein ganz anderes Feeling gehabt haben. Das wollte ich eben noch gerne mit auf der CD mit drauf haben. Bei der „Volle Kraft voraus“ haben wir eine ganze Remix-CD geplant. Es hat sich aber dann herausgestellt, dass die Remixe, die zurückkamen einfach zu gut waren, um sie einfach nur als „Beilage“ mitzuverschenken. Wir haben dann also die „Volle Kraft voraus“
im Original und komplett neu gemischt veröffentlicht und haben diese Remix-CD „Volle Kraft Null Acht“ noch zu-
sätzlich veröffentlicht. Weil diese sonst immer untergeht, als Beilage gesehen wird, wobei die Remixe, wie diese
sie interpretiert haben, einen sehr kontemporären, aktuellen Sound hatten und die Songs ins Jahr 2008 katapultiert haben, ohne das sie veraltet klangen.  Einer der Songs war Nummer „1“ in den DAC-Charts (Deutsche Alternative Charts) und einer war unter den Top 3 oder sowas. Das hat richtig gut gezogen. Es war ein sinnvolles Gelingen, denke ich mal.
 
Dan Davis: Ihr habt ja gerade mit den älteren Songs wie „Ich bin ein Ausländer“ oder „Wahre Arbeit wahrer Lohn“ in der Vergangenheit auch immer wieder politisch Stellung bezogen. Was hältst Du von dieser ganzen Hartz IV-Geschichte in Deutschland. Viele Menschen, die Jahre lang gearbeitet haben, werden innerhalb kürzester Zeit zum Sozialfall. Die Unzufriedenheit wird größer. Was hältst Du von der Sache, dass immer mehr Menschen nicht mehr ausreichend bezahlt werden und durch Hartz IV in den sozialen Abstieg gezwungen werden?

Rechts: "Die Krupps".
 
Jürgen Engler: Der soziale Abstieg in Deutschland ist überall zu sehen. Ich per-
sönlich wohne da nicht mehr,
weil ich es da nicht mehr aushalten konnte. Für mich
war das ein unhaltbares
Ding! Ich konnte da keinen glücklichen Tag mehr ver-
bringen. Ich finde es un-
glaublich, was bei euch in Deutschland passiert. Also
alles was die Regierung sich
da herausnimmt. Und das
ist scheißegal, wer das ist, unter den Konservativen ist
es immer schlimmer als
unter den Demokraten.
Egal, wie du das drehst,
es ist unverschämt und un-
glaublich, was die mit den Bürgern da abziehen. Das Ding ist doch, was mich am meisten drüber ärgert, dass die Leute nicht auf die Barrikaden gehen. Das die Deutschen sich immer duckmauserisch still halten. In anderen  Län-
dern, wie Belgien oder Italien oder was weiß ich wo, da gehen die Leuten auf die Barrikaden und machen Alarm.
Und in Deutschland da ist das völlig unmöglich. Die Deutschen die duck-mausern, die halten die Klappe, die lassen sich am Stammtisch aus oder zu Hause. Und das war’s. Und ich sage immer wieder, ich finde das wirklich unglaub-
lich! Das ist wirklich eine relativ radikale Einstellung zu Sache: Ich bin nicht für Gewalt, aber was mich wirklich wundert ist, warum die RAF seit Kohl nicht mehr aktiv war. Ich sage mal das Ding ist, das sind genau die Zeiten ge-
wesen, wo sie gebraucht worden wären. Um Angst zu verbreiten. Nicht Gewalt. Ich rede nur von Angst. Damit sich dieses Pack überlegt, was es mit den Bürgern anstellt. Ich finde das unglaublich, weil, wie gesagt, die Deutschen von selber machen es nicht. Die halten still, die machen jeden Dreck mit. Da hört man vielleicht ein paar Unkenrufe, aber das ist alles. Die Deutschen sind kein Volk, was sich organisieren kann und was geschlossen in eine Richtung marschiert. Das ist völlig unmöglich. Die marschieren nur unter Führung. Du weißt, was ich damit meine...
 
Dan Davis: Ja, klar. In der Sklaverei arbeiteten die Menschen für irgendjemanden und bekamen dafür ein Dach über den Kopf und etwas zu essen. Das war’s. In der Gegenwart haben viele Menschen jedoch auch nicht mehr Geld wenn sie arbeiten, als damit die Miete zu bezahlen und sich etwas zu essen zu kaufen. Da ist natürlich kein großer Unterschied mehr zu einer Art Sklavengesellschaft.
 
Jürgen Engler: Das ist ganz einfach: Es gibt in Deutschland ja gar nichts wie eine Demokratie. Alles, was Du da hast, ist ein Drahtseilakt. Ein Tagtäglicher Drahtseilakt. Alles ist unermesslich teuer. Seit dem Euro ist Dein Geld halbiert. Du hast nichts mehr. Alle Leute sind komplett pleite. Die Mehrwertsteuer wird erhöht, andere Steuern
werden erhöht, kein Mensch kann sich was leisten und es ist kein Wunder: Das Land geht den Bach wirklich
komplett runter! Jedes mal, wenn ich rüberkomme, sehe ich das. Drastisch. Es gibt immer noch Leute, die sich
das schönreden wollen, Tatsache ist, ich kenne das aus allen möglichen andern Ländern - dort ist auch nicht alles
ok, aber das Ding ist, hier sehe ich das wesentlich weniger wie beispielsweise in Deutschland. Meine Freundin ist aus Russland. Und selbst da funk-tionieren die Sachen besser. Deutschland ist mit eines der schlimmsten Länder geworden, wo es am rapidesten den Bach runter ging. Da ist die Kluft mittlerweile am meisten zwischen arm und reich von allen europäischen Ländern. In den 60er/70er Jahren war die Masse der Deutschen gehobener Mittelstand. Mittlerweise ist die Masse der Deutschen unterster Mittelstand. Unglaublich.
 
Dan Davis: Was hat Dich damals dazu bewogen, Musiker zu werden?
 
Jürgen Engler: Ich habe mich einfach immer für Musik interessiert. Das war eigentlich nimmer so. Ich habe früher
viel gemalt usw., aber für mich war einfach Musik immer irgend-wie da. Das war schon so, als ich ein ganz kleines Kind war, ab 10 oder so, das ich einfach da hin gehöre. Ich habe immer Musik gehört und habe auch recht früh angefangen, Musik-instrumente zu spielen, mit 6 oder so, das hat mich einfach nie mehr losgelassen. Das ist
auch heute noch mein liebstes Ding. Ich mache das wirklich, weil ich es gerne mache und nicht nur, weil ich Geld damit verdienen muss. Ich habe den ganzen Tag irgendeine Gitarre in der Hand oder irgendwas. Ich werde mich wirklich immer irgendwie mit Musik befassen, das wist wirklich so.
 

Links: "Die Krupps":
 

Dan Davis: Ihr habt damals eine Tribu-
te-CD für Metallica gemacht. Da ist mir
aufgefallen, dass ihr, im Gegensatz zu „Krupps I“ oder „II“, keine einzige Gitar-
re verwendet habt. Das war schon be-
wusst gewählt irgendwo, oder?
 
Jürgen Engler: Ganz klar, Metallica mit
Gitarre covern, dass ist ja relativ unergiebig.
Das ist ja so, wie wenn du Depeche Mode
mit Keyboards coverst. Das machst du ja
dann auch eher mit Gitarren (wenn du über-
haupt irgendwie eine Coverversion davon machen musst oder willst). Es gibt Sachen,
die musst man nicht so verdrehen, dass man sie nicht mehr wiedererkennt. Aber wenn du dich an solch „unantastbare“ Sachen ranbe-gibst, dann machst Du es am besten wirklich komplett anders, damit es nicht zu sehr mit dem Original kollidiert. Du musst ja auch
sehen, die Metallica-Sache kam ja auch vor „Final Option“, vor der „II“, raus. Das war diese Phase, wo wir noch zweischichtig gefahren
sind. Ab der „Final Option“ war es ja nur noch die Konversion aus Gitarre und Electronic.
 
Dan Davis: Spätestens seit dem Thema
11. September 2001 ist ja auch das The-
ma Überwachungsstaat ein gewichtiges Thema. Wie denkst Du darüber? Findest
Du die zunehmende Überwachung bringt auch mehr Sicherheit – oder siehst Du da auch eine gewisse Problematik dahinter?
 
Jürgen Engler: Natürlich ist das eine Problematik. Doch ich muss Dir ehrlich sagen, die sehe ich hier (in Austin, Texas, Anm. Dan Davis) viel weniger als in Europa. Also ich fühle mich hier (in Texas) nicht beobachtet. Ich meine, klar, du bist durch deine Kreditkarten, Telefon, Internet immer irgendwo überwachbar. Aber ich fühle mich hier we-
sentlich weniger überwacht und beäugelt als in Deutschland oder England, oder egal wo du hingehst. Ich glaube in London sind alleine „6 Millionen“ Kameras. Und die sind auch da, weil ich sie selber oft genug gesehen habe. Und hier (in Texas) – klar gibt es hier an jedem Walmart auch welche, oder beim Parkplatz, aber das Ding ist einfach
hier habe ich nicht ständig das Problem, dass ich beobachte bin und hier ist auch nicht alles so eng. Du hast hier jedenfalls nicht das Gefühl, dass hier irgendwelche Kräfte in deine Privatsphäre schauen, was du machst. Wohingegen ich das in Deutschland permanent hatte.
 
Da gibt es kein Bankgeheimnis, da gibt es kein Arztgeheimnis usw.. Das sagen die zwar, aber das gibt es ja nicht wirklich. Überall sind dort auch die Kameras, was ich da höre, wollen die auch die Leute im Internet überwachen, deine Mails, deine Anrufe und all so ein Zeug. Ich sage mal, Deutschland ist nicht großartig anders als früher...
 
Der Überwachungsstaat der hat sich nicht großartig geändert. Und vor allem wird der sich überhaupt nicht ändern unter den ganzen Konservativen. Was soll ich sagen, seit anfang der achtziger Jahre, seit Kohl, ist Deutschland für mich ein unakzeptables Gebilde geworden. Das ist ein Grauen für mich gewesen.
 
Dan Davis: Denkst Du auch, wenn Du an die nächsten 10, 20, 30, 40 Jahre denkst, dass die Bürger in Deutschland zu viel in dieser Hinsicht mit sich machen lassen?
 
Jürgen Engler: Ja. Die Leute drüben (in Deutschland) vermögen es nicht sich zu organisie ren und dagegen an-
zugehen. Der Deutsche der redet gerne. Der weiß immer alles besser, der steht am Stammtisch und hält Maulaffen feil. Aber bevor er mal die Harke auspackt und sich wirklich geschlossen in Richtung Berlin begibt... Es muss dann schon so drastisch sein – ich sag es mal so: Die einzigen Demonstrationen in Deutschland die sind gegen irgend-
welche anderen Länder, gegen irgendwelche Kriegsvorgehen, gegen Amerika oder den damaligen Präsidenten Bush usw. Aber du siehst nie, dass die gegen ihre eigene Regierung vorgehen. Das gibt’s doch nicht!
 
Ich kann mich nicht daran erinnern. Wann ist das dass letzte Mal gewesen? Vielleicht irgendwelche kleinen Split-
tergruppen, die als „kleine linke Radikalengruppe“ belächelt werden von den Medien. Aber letztendlich hast Du da doch keine geschlossenen Einheit. Die kannst du überhaupt nicht kriegen in Deutschland.
 
Dan Davis: Eine Frage zum Schluss: Was steckt hinter www.dkay.de?
 
Jürgen Engler: Die Webseite, die Du ansprichst ist von unserem Fanclub. Und der pflegt und verwaltet die Seite.
Wir haben eigentlich gar keine offizielle normale Webseite. Das ist zwar sehr ungewöhnlich in der heutigen Zeit…
Ich habe auch die Domain, die existiert zwar und die werde ich auch einsetzen. Das habe ich vor, wenn es um das neue Album geht. Aber wir haben aktuell keine eigene Webseite. Außer natürlich „Myspace“. Es erhöht ja auch ein bisschen den Kultstatus, wenn man nicht alles macht, was andere machen:)
 

 
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DIE KRUPPS - Der Amboss (Amphi Festival 2011)
 
 
(Copyright by COVER UP! Newsmagazine)
(Copyright Fotos by Jürgen Engler).
 
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