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Dan Davis im Interview mit AYRIA
Die Sängerin Jennifer Parkin zu den Themen Übersinnliches, Konsumgesellschaft und Musik 
 
In Kanada gehört Jennifer Parkin mit ihrer Band AYRIA schon seit Jahren zur gepflegten Musik elektronischen Ursprungs. Von Pop über Rock bis hin zu Industrial - die Einflüsse auf ihre Musik sind vielfältig. Derzeit arbeitet Jennifer Parkin in ihrer Heimat an dem vier-
ten Album. Grund genug sie dort in heimi-
schen Gefilden einmal näher zu ihrer Ver-
gangenheit, ihren Vorlieben und Abneigun-
gen zu befragen. Auch das Thema 9/11 und übersinnliche Phänomene werden nicht ausgelassen.
 
Die Musik von AYRIA ist sicherlich schwer auf einen Nenner zu bringen. Zu viele Einflüsse umgeben die blonde Dame. Doch genau diese Offenheit den Dingen gegenüber zeichnet sie
aus. Hier im Interview mit Dan Davis.
 
Links: Die kanadische Sängerin Jennifer Parkin
von AYRIA.
 
Dan Davis: Hallo Jennifer. Was ist zurzeit Dein Lieblingsbuch und Dein Lieblings-
film?
 
Rechts: Cover der CD "Flicker" von AYRIA mit Jennifer Parkin auf dem Cover. 
 
Jennifer Parkin: Hmm, nun ich lese zur Zeit H.G. Wells DIE ZEITMASCHINE. Es ist schon ein altes Buch, aber ich hatte es noch nie gelesen und ich liebe Science Fiction-Bücher und Kriminalromane. Ich habe kein absolutes Lieblingsbuch. Was Filme angeht, so hatte ich keine Zeit auf Tour. Ich hatte mir vorgenommen ein paar Filme im letzten Winter anzuschauen, kam aber aufgrund der wenigen Zeit nicht so dazu, wie ich es gerne gehabt hätte. Ich mag Komödien und am meisten Science Fiction-Filme. Diese Filme sind nicht neu, aber es sind ein paar die ich mag: THE DESCENT, IN BRUGES, ALIENS & ALIENS, BLACK DYNAMITE (wegen all der Kung Fu-Lehren), ähm, das sind alle die mir gerade einfallen.
 
Dan Davis: Bist Du ein Mädchen das an unerklärliche Phänomene glaubt? Und hattest Du jemals selbst ein solches Erlebnis?
 
Jennifer Parkin: Ich glaube an übernatürliche Phänomene, aber ich habe leider selbst noch nichts Derartiges erlebt, was eine gute Sache ist, denn ich hätte Angst, wenn es tatsächlich passieren würde. Doch mein ganzes Leben lang habe ich gefühlt, dass dort draußen irgend-
jemand ist, der auf mich aufpasst. Eine unsichtbare Macht, die mich führt und dazu veran-
lasst hat, Dinge zu tun die ich in meinem Leben gemacht habe. Das klingt vielleicht witzig, aber so empfinde ich es. Keine Ahnung, vielleicht stammt es nur von einer Paranoia, die mich glauben lässt, ständig beobachtet zu werden?
 
Links: Jennifer Parkin.
 
Dan Davis: Wie begann Deine musikalische Karriere? Hast Du vor AYRIA in einer anderen
Band gespielt?
 
Jennifer Parkin: Ich denke meine musikalische „Karriere“ begann im Jahr 2003 mit AYRIA. Zuvor sang
ich für eine kurze Zeit in einer an-
deren Band mit dem Namen EPSI-
LON MINUS. Dies half mir Vertrau-
en und Erfahrungen zu sammeln, hilfreiche Quellen und Beziehungen aufzubauen, um AYRIA an den Start zu bringen.
 
Dan Davis: Wie heißen Deine Lieblingsmusiker und welche Musikrichtungen magst Du, beziehungsweise nicht?
 
Jennifer Parkin: Ich bin offen für viele Bereiche der Musik. Ich höre fast alles von Klassik, Rock, Electro, Industrial und meine größte Leidenschaft ist die Popmusik (ich habe Ehrfurcht vor manchen Produktionen und Elementen hinter solchen Popsongs! Besonders wenn es um die Percussion und die beeindruckende Aufmerksamkeit geht, interessante Gesangsparts einzuspielen!). Einige meiner absoluten Lieblingsbands sind THE PRESETS, IamX,
SANTOGOLD, NITZER EBB, LADYHAWKE etc. (es sind einfach zu viele, um sie hier aufzuzählen). Was ich überhaupt nicht mag ist jede Art von Country Musik und ich mag die meiste Rapmusik nicht, doch nochmals, ein guter Song ist ein guter Song, ganz egal aus welcher Musikrichtung er kommt und so versuche ich möglichst keine musikalischen Grenzen in mir aufzubauen, bei dem was ich höre.
 
Rechts: Die Sängerin Jennifer Parkin auf US-Tour im Jahr 2008.
 
Dan Davis: Wie würdest Du die Musik von AYRIA beschreiben?
 
Jennifer Parkin: Electro-Industrial-EBM-Synth-Pop für Liebhaber. Ich lasse mich von so vielen Einflüssen inspirieren, dass ich glücklich bin,
in einer Band zu sein, die etwas schwer zu kategorisieren ist. Ich nehme die Elemente
vom Electro (eine abgefahrene Synth. Bass-
line und tanzbaren Beat) und manchmal  schräge Beats, und verbinde sie mit einem
Mix von schönen Gesangsmelodien, im Kon-
trast mit verzerrten Gesang und verbinde alles mit den depressivsten Texten, die man sich
nur vorstellen kann. 
 
Dan Davis: Auf Deiner CD „FLICKER“ befindet sich der Track „SELLING REBELLION“. Kannst Du erzählen, was
die Geschichte hinter dem Song ist?
 
Jennifer Parkin: Er ist beeinflusst von unserer Konsumwelt, die uns umgibt und unser-
en übertriebene Verbrauchsgewohnheiten, und wo immer man hinschaut, versprechen Dir
die Hersteller mehr und mehr und mehr. Von Selbstverherrlichung über falsche Sicherheit.
Sie würden Dir alles verkaufen, was in eine kleine hübsche Schachtel passt. Einige meiner Lieblingszeilen von dem Song handeln davon, dass manche Dinge mehr sind als die Sum-
me ihrer Teile: „I think I found a piece of you, that doesn`t came from a package. But they
are waiting for it to fail so they can sell you something new.” (“Ich denke ich habe ein Stück von dir gefunden, dass nicht in der Packung war. Doch sie warten darauf, dass es kaputt geht, damit sie etwas Neues verkaufen können“). Das Hauptkonzept im Chorus ist die Passage „Could you see me enough?“ Erneut bezugnehmend auf unsere Konsumgesell-
schaft, die alle Dinge  verkauft und vermarktet, von denen du glaubst sie zu benötigen. „I
buy therefor I am“ (“Ich kaufe damit ich etwas darstelle”) und „A mass production, of what makes me who I am“. „All this aggression & self hatred, makes for one angry machine”.
 
Links: Jennifer Parkin live mit AYRIA
(Scott Edward, 2008).
 
 
Dan Davis: Du bist im Sommer 2010 in
den USA mit der deutschen Band
PROJECT PITCHFORK auf Tour. Wann
wird AYRIA wieder in Deutschland zu sehen sein?
 
Jennifer Parkin: Nun, ich habe von Oktober 2009 – Januar 2010 etwa 3 Monate haupt-
sächlich in Deutschland aber auch in ander-
en Teilen Europas als Support für VNV NA-
TION und den CRUXSHADOWS verbracht. Deshalb bin ich jetzt ganz gerne wieder eine Zeit zuhause, zumal es eine Menge Geld für Bands kostet, eine Reise über den Atlantik
für eine Tour zu machen. Speziell in Deutsch-
land habe ich wundervolle Erfahrungen gemacht, denn ich liebe das deutsche Publikum und das deutsche Essen!
 
Dan Davis: Was ist die Geschichte hinter dem Song „My Revenge to the world!“ Und welche Songs von AYRIA beschreiben am meisten den „Geist“ der Band?
 
Rechts: Jennifer Parkin.
 
Jennifer Parkin: Ich hatte einen schlechten Tag und so begann
ich damit den Song zu schreiben.
Ich begann einen stampfenden aggressiven Song zu schreiben,
dann wechselt er zu einem sarkas-
tischen Stück mit seinem Text und dem Titel. Ich meine, deine Rache
auf die komplette Welt zu fokus-
sieren, ist so over the top wie ein witziger Bösewicht! Ich verkörper-
te eine bedrohliche Stimme die kreischte: „Die Welt gehört mir! Ich will meine Rache an ihr!“ Dann, um das ganze noch zu Toppen, wurde die EP „My Revenge to the World“
in pink mit Herzchen, Sternen und meiner Unterschrift versehen. Es ist nur ein Song, und wenn es Leute gibt, die das nicht verstehen, dann kann ich es nicht ändern. Es ist
bis heute der am meisten verkaufte
Song von mir!
 
Die Frage danach, welches Songs am meisten den „Spirit“ der Band verkörpern, und wenn
ich Deine Frage jetzt richtig verstehe, dann würde ich sagen ALLE! Sie sind für mich ein musikalischer Prozess. Ich würde niemals behaupten wollen, das AYRIA sich nur über
stampfende EBM-Beats definiert, oder nur über Coversongs. Ich würde mich selbst niemals nur in eine Sparte kategorisieren. Ich denke die Musik ist da eher multidimensional und multifacettenreich. Ich kann einen Track mit kiesigen, stampfenden, verzerrten Gesang machen, gefolgt von einer schönen melodischen Ballade. Und meine Fans genießen das, denn das bin ich. Wenn alle Songs eindimensional gleich mit 135 bmp wären, würden die Menschen meine Musik glaube ich nicht mögen.
 
Dan Davis: Siehst Du selbst Deine Musik als Ausdruck von Rebellion?
 
Jennifer Parkin: Nicht wirklich.
Ich erfahre mich selbst über meine
Musik. Drücke mit ihr meine Emoti-
onen aus, die mal wütend, traurig, glücklich, unsicher, die Welt um
mich herum beobachtend, etc sind.
Ich würde dies nicht als rebellisch betrachten. 
 
Dan Davis: Arbeitest Du an einer neuen CD?
 
Jennifer Parkin: Ja ich bin zurzeit
im Studio und arbeite an meiner vierten CD! Wow! Ich kann es gar
nicht glauben, schon so viele CDs veröffentlicht zu haben! Ich habe
schon den ganzen Winter, nachdem ich von der Europatour Anfang Janu-
ar zurückgekommen bin, an den
Demos gearbeitet. Wenn es in die Produktionsphase geht, arbeite ich wieder mit Sebastian Komor (ICON OF COIL, MELT, MOONITOR), worüber ich sehr aufge-
regt bin! Er produzierte die CD HEARTS OF BULLETS von mir und es entstand einer glatter Sound, exakt das was ich wollte und ich liebe es mit ihm zusammenzuarbeiten, weil es
sehr einfach ist da er ähnliche Vorstellungen hat. Ich kann Dir noch nicht zu viele Informa-
tionen geben. Die CD hat noch keinen Namen und alles ist noch offen. Ich schreibe die Musik die ich fühle. Das Material für die neue CD ist derzeit noch nicht veröffentlichungs-
würdig, aber das zu ändern ist derzeit meine Hauptaufgabe.
 
Rechts: Die kanadische Sängerin
Jennifer Parkin.
 
Dan Davis: Eine andere Frage. Glaubst Du, es ist etwas dran
an den Verschwörungstheo-
rien um den 11. September
2001, die in den USA und außerhalb kursieren? Oder
denkst Du, alles lief so ab wie
es offiziell behauptet wurde?
 
Jennifer Parkin: Da kann ich nicht wirklich mitsprechen. Ich habe zu wenige Untersuchungen angestellt, um mir eine Meinung darüber
bilden zu können, die mehr als nur Vermutungen wären. Ich beschäf-
tige mich normalerweise nicht so
sehr mit Verschwörungstheorien, aber nochmals, ich weiß nicht
genug darüber, um das letztlich beurteilen zu können, ob nicht doch etwas an den Behauptungen über eine Verschwörung dran ist. Wie auch immer man darüber denkt oder was und wen man dahinter vermutet, es war auf jeden Fall eine schreckliche Sache, der Verlust so vieler unschuldiger Menschenleben. Das wissen wir mit Sicherheit.
 
Dan Davis: Danke Jennifer für Deine Zeit und die Informationen.
 
Jennifer Parkin: Danke für das Interview, Dan. Wenn einer Deiner Leser meine Songs der HEARTS OF BULLETS und weitere Informationen über mich checken will, es gibt jede Woche etwas neuen auf meiner Homepage. Ich gehe dort jede Woche auf einen anderen Song ein, den ich gemacht habe und erläutere meine Motivationen dazu, die Musik, Produktion und Erinnerungen. Manchmal findet man dort auch Fotos und Clips. http:/www.ayria.com
   
 
Zum Einsehen benötigen Sie Flash Player.
Ayria - Debris - 212 - Horrible Dream (XPQ-21 mix)
 
 
Die aktuelle CD:
HEARTS FULL OF BULLETS  von  AYRIA
 
 
 
(COVER UP! Newsmagazine, 27.04.2010) 
 
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