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Dan Davis im Interview mit Jeannine Mik
Jeannine Mik über sich, die Geheimdienste, den 11. September 2001, Gott & die Welt
 
JEANNINE MIK ist 21 und studiert Werbung und Sprachwissenschaften in Wien. Sie ist kommissionell geprüfte Sprecherin und absolviert seit Herbst 2009 eine Ausbildung zur Rhetorik- und Sprechtrainerin an der Schule des Sprechens. Sie ist Moderatorin
und war zuletzt im Januar 2010 bei dem
Wiener Radiosender 88.6 zu hören. In ihr-
er Freizeit arbeitet sie als Fotomodell. Im Moment ziert Jeannine als einzige Nicht-Miss der Kampagne die Plakatwände und Restaurants von Burger King in Österreich und der Schweiz. Dan Davis im Interview mit dem jungen Talent über Vergangen-
heit & Zukunft sowie zu interessanten The-
men im Weltgeschehen. Wie denkt Jean-
nine Mik über die Geheimdienste, den 11. September 2001 und über Gott?
 
Links: Jeannine Mik (by Attila Fürst)
 
Was denkt eine junge angehende Rhetorik- und Sprachtrainerin, die zudem als Sprecherin
und Moderatorin sowie als Model arbeitet, über Ereignisse aus der Vergangenheit, die Bibel
und den Ausbau des Überwachungsstaats? Jeannine Mik, die zuletzt unter anderem einen
Weblog über den Grandprix Eurovision 2010 mit der Senkrechtstarterin Lena verfasst hat,
im Interview mit dem Autor Dan Davis.
 
Dan Davis: Hallo Jeannine. Du studierst Werbung und Sprachwissenschaften und arbeitest als Moderatorin. Zuletzt bei dem Wiener Radiosender 88.6. Wolltest Du
schon immer in diese berufliche Richtung gehen?
 
Jeannine Mik: Ich habe immer viel gesprochen, bereits als Kleinkind. Mein großer Bruder zieht mich heute noch damit auf, dass ich meine Eltern früher stundenlang mit allen mögli-
chen Fragen gelöchert habe, bis sie mir eine zufriedenstellende Antwort gaben. Also ja, in gewisser Weise wusste ich wohl schon immer, dass ich das Sprechen zu meinem Beruf machen möchte. An der Menge hat sich auch kaum etwas geändert – an der Qualität, wie
ich hoffe, jedoch einiges. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen und mag es, andere
für eine Sache zu begeistern, von der ich selbst überzeugt bin. Zum Beispiel von der Wich-
tigkeit eines selbstsicheren Auftretens und dem Sprechen „im Brustton der Überzeugung“
… privat sowie beruflich. Das Radio ist eine gute Plattform, um meinem Mitteilungsdrang
Luft zu machen und ich hoffe, dass sich bald wieder etwas in dieser Richtung ergeben
wird, obwohl das Studium sehr zeitaufwändig ist.
 
Rechts: Jeannine Mik (Foto by Wilhelm
Fochta).
 
Dan Davis: Könntest Du Dir vorstellen
eines Tages auch in Richtung Fernsehen
zu tendieren? Eventuell dort eine eigene Show zu moderieren?
 
Jeannine Mik: Das ist bereits mein erklärtes Ziel! Ich möchte ins Fernsehen, Leute unter-
halten und informieren. Mein Kopf ist voll von Sendeformaten, die es in dieser Art im öster-
reichischen Fernsehen noch nicht gab. Aller-
dings setze ich mich selbst nicht unter Druck. Ich bin 21 und habe noch reichlich Zeit. Im Moment gehen die Trainerausbildung und mein Studium vor. Dennoch bin ich offen für alles,
was da so kommen mag. Sollte sich eine Zusammenarbeit mit einem TV-Sender erge-
ben, die meinen Vorstellungen entspricht, so würde ich gewiss nicht „Nein“ sagen.
 
Dan Davis: Du arbeitest nebenher
auch als Model. Wie kam es dazu?
 
Jeannine Mik: Ursprünglich interessierte ich mich gar nicht für das Modeln. Nicht einmal
als junger Teenager. Von Freunden hörte ich öfter ich sei „so hübsch“ und warum ich nicht
irgendwo mein Glück versuche – zum Aufbessern meines Schülertaschengeldes. Einmal
auf die Idee gebracht, gefiel mir der Gedanke und ich begann, mich genauer zu informieren. Leider hatte ich es aufgrund meiner Körpergröße anfangs nicht leicht: ich bin 10 cm zu klein für den Laufsteg. Vor ungefähr drei Jahren durchforstete ich das Internet und Telefonbuch nach sämtlichen Agenturen in Wien. Ich rief bei knapp 20 an und wurde abgelehnt, bevor ich überhaupt Fotos verschickt hatte. Dann fand ich Nelly’s Model & Photographer Management, bewarb mich und wurde prompt zum Casting eingeladen. Dort bekam ich das heiß ersehnte Ja. Mittlerweile sind 2 Jahre vergangen, in denen ich öfter mit Nelly und ihrem Mann Manfred Baumann zusammenarbeitete.
 
Dan Davis: Im Moment zierst Du ja als einzige Nicht-Miss die Plakatwände und Restaurants von Burger King in Österreich und der Schweiz. Wie kam es dazu und wie war das Gefühl für Dich, zum ersten Mal überall Dein Gesicht zu sehen, wenn
Du am Burger King vorbei zu Mc Donalds gegangen bist?
 
Links: Jeannine Mik (by Manfred Bau-
mann).
 
Jeannine Mik: Hahaha! Ehrlich: ich bevorzuge die Burger von Burger King, aber die Süßigkeiten und Pommes sind mir bei McDonalds lieber. Ich versuche allerdings, beide nicht allzu oft zu be-
suchen. Den Auftrag bekam ich über meine Agentur und war natürlich sofort Feuer und Flamme. Das Gefühl war…
puh, schwer zu beschreiben. Jede Men-
ge Aufregung, große Erwartungen und
ein kleines bisschen Stolz. Nach so
vielen Absagen aufgrund meiner Größe einen so großen Auftrag zu bekommen, das war und ist einfach toll für mich!
Und ich bin meiner Agentur sehr dank-
bar dafür, dass sie sich für mich ein-
gesetzt und mich vorgeschlagen haben.
 
Dan Davis: Überall sein Gesicht zu sehen ist ein gutes Stichwort. Wie empfindest Du persönlich die Debat-
te über den ständigen Ausbau eines Überwachungsstaates, angefangen von der Überwachung von Emails, Telefonen, Internet bis hin zu Datenspeicherun-
gen und immer mehr Überwachungskameras. Siehst Du diese Entwicklung durch-
weg positiv, oder hinterlässt es doch ein mulmiges Gefühl, was Datenmissbrauch und gläserner Bürger angeht?
 
Jeannine Mik: Ich stehe diesem Thema mit gemischten Gefühlen gegenüber. Ich meine, sobald man mehr oder minder aktiv im Internet ist, scheint sein Name überall auf. Gut,
das ist vermutlich noch beabsichtigt, aber mich schockiert, wie einfach auch Telefonnum-
mer oder sogar die Privatanschrift ermittelt werden können. Von jedem x-beliebigen User. Generell bin ich der Ansicht, dass ein Eingreifen in die Privatsphäre (Email, Telefon, Da-
tenspeicher) von Otto Normalverbraucher in keinster Weise gerechtfertigt ist. Allerdings
sollte es der Polizei bei „verdächtigen“ Personen jederzeit möglich sein. Wie man „ver-
dächtig“ nun definiert, ist wiederum Auslegungssache und sicherlich eine Entscheidung,
die nicht wir Bürger fällen, sondern jemand anders für uns. Aber ganz ohne Überwachung geht es bei der stetig steigenden Kriminalität wohl auch nicht mehr.
 
Dan Davis: Speziell der 11. September 2001 wurde ja in vielen Ländern der Welt medienwirksam für den Ausbau und die Notwendigkeit für mehr Überwachung benutzt. Wie denkst Du persönlich derzeit über 9/11? Eine große Anzahl der Ameri-
kaner, aber auch eine große Anzahl von Bürgern weltweit sind ja der Meinung, die offizielle Variante ist möglicherweise falsch. Denkst Du, dass uns die Wahrheit
über den 11. September erzählt wurde?
 
Jeannine Mik: Schwieriges Thema. Ich bin der Meinung, dass es viele Dinge gibt, von de-
nen wir nicht das Geringste wissen. Der 11. September war eine Katastrophe noch nie dagewesenen Ausmaßes und gerade solche Dinge regen andererseits die Fantasie an. Menschen, die ihre Liebsten verloren, wollen sich nicht damit zufrieden geben, dass sie „einfach so“ von ihnen gegangen sind. Weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Was den 11. September angeht – und ich meine wirklich nur diese Sache – ja, ich denke,
es wurde in vielem die Wahrheit gesagt. Dass uns alles erzählt wurde, bezweifle ich allerdings stark.
 
Dan Davis: Der 2. Irakkrieg wurde ja nicht zuletzt mit dem Argument vom Zaun gebrochen, der Irak würde Giftgas besitzen, was sich im Nachhinein als falsch herausstellte. Die falschen Informationen wurden angeblich aus den höchsten amerikanischen Geheimdienstkreisen als Tatsachen verkauft. Sollte es bedenklich stimmen, wenn diese geheimdienstlichen Institutionen Unwahrheiten als Tatsach-
en verkaufen? Und kann man aus solchen Fehleinschätzungen eventuell Rück-
schlüsse auf weitere Fehleinschätzungen ziehen, die heute noch überhaupt nicht bekannt geworden sind?  
 
Rechts: Jeannine Mik (by Manfred Baumann).
 
Jeannine Mik: Wenn Länder und Religionen einen Grund für den Krieg finden wollen, dann
tun sie das auch. Egal, mit welcher noch so spektakulären Dichtung sie an die Öffentlich-
keit gehen, im Grunde genommen ist es doch immer Geld und Macht. Man kann heutzutage nicht mal seinem Nächsten trauen – warum
dann einem Geheimdienst, Politiker, Argumen-
ten die angeblich Grund genug für einen Krieg sind? Nein. Sicherheit war noch nie das wahre Ziel eines Krieges. Der amerikanische Politiker Charles Sumner sagte etwas, das uns zum Nachdenken anregen sollte:
 
„ Give me the money that has been spent in
war and I will clothe every man, woman, and
child in an attire of which kings and queens
will be proud. I will build a schoolhouse in
every valley over the whole earth. I will crown every hillside with a place of worship
consecrated to peace.“
 
Dan Davis: Du veröffentlichst regelmäßig Weblogs, zuletzt über den European Songcontest, den LENA gewann. Was für
Musik hört Jeannine privat und was war Dein wirklicher Favorit?
 
Jeannine Mik: Jeannine hört alles, was sie berührt. Für mich sind die Songtexte an sich wichtiger, als das Lied selbst. Ich muss mich mit dem Sänger oder der Geschichte identi-
fizieren können. Diese Eigenschaft kann auf einen Song des Pop-Genres genauso zutreffen wie auf Elektronisches oder Rap. Zum Relaxen mag ich Lounge Musik. Beim Songcontest diesen Jahres war mein Favorit Aserbaidschan. Hübsche Frau, tolle Bühnenshow, wunder-
schöne Stimme und ein Lied zum Träumen. Der Hype um Lena nervt mich mittlerweile. Nun soll ihr doch tatsächlich das Bundesverdienstkreuz verliehen werden? Sie mag ein liebes Mädchen sein, aber wenn hier schon jemand etwas verliehen bekommt, dann doch wohl
eher Stefan Raab.
 
Dan Davis: Du gibst auf Deiner Homepage auch an, dass Du als Sprachtrainerin arbeitest? Was muss man, außer nicht mit vollem Mund zu sprechen, sonst noch beachten? Bietest Du auch Seminare auf diesem Gebiet an?
 
Links: Jeannine Mik (by Wilhelm Fochta).
 
Jeannine Mik: Das Sprechen ohne vollen Mund ist in jedem Fall ein guter Anfang! Ich mache die Ausbildung zur Rhetorik- und Sprechtrainerin seit Herbst vergan-
genen Jahres und beende sie bald. Im Sommer wird mein erstes Seminar statt-
finden, ansonsten gebe ich jetzt schon Einzelstunden, die individuell vereinbart werden können und genau auf die Bedürf-
nisse meiner Kunden angepasst sind.
Man beginnt bei der Haltung und Atmung, kommt dann zu Tönen, zur Sprechtech-
nik und letzten Endes zum Sprechen selbst.
 
Generell lässt sich sagen, dass man
seine Stimme jeden Tag ein wenig auf-
wärmen sollte. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht: einfach gleich nach dem Aufstehen auf dem Weg ins Bad ein paar Grimassen schneiden, das lockert die Muskulatur. Gähnen öffnet den Mundraum und lässt Töne klarer werden. Mit den Fingerkuppen sanft auf die Schläfen und den Bereich drum herum klopfen bringt die Stimme “nach vorne“ und macht sie präsenter. Eine aufrechte Haltung (weder Hohlkreuz noch Buckel) in Kombination mit einem sicheren Stand (Beine ca. schulterbreit und parallel zueinander) nimmt uns die Nervosität, gerade vor Präsentationen, Bewerbungsgesprächen oder auch beim ersten Date. Es gibt ein paar Tipps und Tricks, die sich ganz generell formulieren lassen. Auf die wichtigsten Dinge, wie zum Beispiel Atem- oder Sprechtechnik, kann man allerdings nur individuell eingehen.
 
Dan Davis: Bist Du ein gläubiger Mensch? Gibt es Gott? Oder wurde Deiner Mei-
nung nach die Bibel sogar verfälscht? Findest Du, dass die Bibel sich teilweise widerspricht?
 
Jeannine Mik: Ich bin Agnostikerin. Nach dem Motto: „Ich weiß, dass ich nichts weiß…
und das ist schon eine ganze Menge!“ Ich habe mir bereits viele Gedanken zu diesem The-
ma gemacht und die Bibel nicht nur bekrittelt, sondern sie auch gelesen. Ich weiß nämlich gerne genau, worüber ich spreche. Gott, in der Form, in der ihn die Bibel beschreibt, gibt es für mich nicht. Wogegen ich mich verwehre, ist die Meinung, der Mensch sei das „Maß aller Dinge“, ein „Abbild Gottes“. Wenn es einen Gott gibt, dann ist der Mensch definitiv jene Schöpfung, bei denen er die meisten Fehler (…so viel übrigens zur Unfehlbarkeit des Herrn) gemacht hat. Sehen wir uns in der Natur um, so tötet kein Lebewesen zum Spaß. Nun, ich frage mich, welch immense Fehlsteuerung bei uns Menschen vorliegen muss, dass einige in der Lage sind, Mitmenschen ohne Grund umzubringen. Ich gebe nicht viel auf die Bibel. Sie ist für mich nichts Göttliches, sie ist menschlich.
 
Ich beziehe mich gerne auf das Gespräch zwischen Abraham und Gott, in dem es um die Vernichtung der Städte Sodom und Gomorra geht. Gott lässt sich von Abraham sagen, wie viele Menschen er verschonen soll. Allein daran erkennt man, dass dieses Werk das Werk eines Menschen ist. Ein Mensch, der sich selbst als so wichtig sieht, dass Gott sich Rat-
schläge von ihm erteilen lässt und dieser in der Situation ahnungslos erscheint. Ich denke nicht, dass wir die Krone der Schöpfung sind, bei weitem nicht. Und „mein“ Gott lässt sich von solch fehlerhaften und bösartigen Wesen wie uns nicht sagen, wen er verschonen soll.
All dies ist für mich so widersprüchlich. Zu widersprüchlich, um nur einen Funken davon zu glauben.
 
Dan Davis: Sind wir alleine im Universum? Als Krone der Schöpfung? Und werden wir eines Tages auf andere ferne Planeten auswandern, wenn unsere Sonne sich aufbläht um die Erde zu verschlingen? Oder war es das?
 
Jeannine Mik: Wie bereits angedeutet: wir sind sicherlich nicht die Krone der Schöpfung.
Es wäre naiv zu denken, dass wir in den endlosen Weiten des Universums alleine sind.
Ich hoffe, dass spätere Generationen auf andere Planeten reisen werden. Ich hoffe es für
die Menschheit, nicht für die Planeten. Denn wir sehen ja, was wir unserem Planeten Erde angetan haben und was wir ihr noch immer antun. Das Universum ist so unberechenbar. Sollte der Supervulkan im Yellowstone National Park zu früh ausbrechen, oder uns ein Meteorit treffen, bevor wir soweit sind… ja, ich denke, dann war’s das mit uns.
 
Dan Davis: Gibt es Pläne für 2010/2011?
 
Jeannine Mik: Ich möchte in den kommenden 1 ½ Jahren viel Reisen, die Trainerausbildung beenden und mich auf meine Liebsten und laufende sowie neue Projekte konzentrieren.
 
Dan Davis: Vielen Dank, Jeannine.
 
(COVER UP! Newsmagazine, 08.06.2010)
 
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