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Dan Davis im Interview mit LAHANNYA
Die Sängerin über den gläsernen Bürger, Terror-anschläge, Überwachungsstaat und Musik
Dan Davis befragte die Sänger-
in LAHANNYA über Musik und Überwachungsstaat. Wie denkt sie über 9/11, Terroranschläge
und die gezielte Vorgehenswei-
se uns immer mehr zum gläser-
nen Bürger zu machen? Lahan-
nya arbeitet zudem als DJane
und somit in einer Metropole,
die inzwischen immer wieder
als Negativbeispiel herhalten
muss, was das Thema Über-
wachung angeht. Sie spricht über die aktuelle CD "Defian-
ce" und neue Projekte.
Links: Die Sängerin Lahannya (by Lahannya)
Wurde "1984" Realität"? Hier im Interview mit Dan Davis die Meinung von Lahannya. Sie geht auf ihre Arbeit als DJane in London und die Zusammenarbeit mit der Band SOMAN näher ein. Lesen Sie im COVER UP! Newsmagazine mehr über ihre musikalische Vergangenheit und die anstehende CD "Disorder".
Rechts: Die Sängerin Lahannya (by Art-in-Black).
Dan Davis: Hallo Lahannya. Deine aktuelle CD aus dem Jahr 2009 trägt
den Titel “Defiance”. Darauf befindet
sich der Track „Brave new World“.
Was ist der Hintergrund des Songs?
Lahannya: Das Setting unseres zweiten Albums ist ein futuristisches London in ei-
nem völlig reglementierten Großbritannien. Als Reaktion auf zahlreiche Terroranschlä-
ge wurde eine Art gläserne Gesellschaft geschaffen, in der ein Leben nur noch bei völlig konformem Verhalten möglich ist.
Wer die strikten Regeln nicht beachtet,
wird aus der Gesellschaft verwiesen.
Individualisten, Freidenker, aber natürlich auch Opportunisten und zwielichtige Ge-
stalten, ziehen sich deshalb in die Londo-
ner U-Bahnschächte zurück und entwickeln dort eine Art Parallelwelt. Zu ihnen stößt
die Protagonistin mit dem furchtbaren Be-
wusstsein, an der Technologie mitgearbei-
tet zu haben, die den gläsernen Staat überhaupt erst ermöglichte...
„Brave New World“ beschreibt dieses Setting perfekt und zwar nicht nur die gläserne Ge-
sellschaft, sondern auch die dunkle Parallelwelt, die sich in den Londoner U-Bahnschächten entwickelt hat. Der Song schildert wie schnell diejenigen, die sich entschlossen haben dem System entgegenzusetzen, gelernt haben ihre neue Situation zu akzeptieren und in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft leben anstatt in Angst vor der Gegenwart.
Dan Davis: Wie ich gelesen habe, arbeitest Du nebenher noch in Deiner Wahlhei-
mat London als DJane in dem Club „Slimelight“. Wie kam es dazu? Und seit wann wohnst Du in London?
Links: Cover der CD "Defiance" von
Lahannya.
Lahannya: Das hat sich alles sehr zufällig entwickelt als ich die Slime-
light Betreiber im Londoner Szene Musikladen Resurrection Records kennenlernte. Wir haben uns sehr schnell als Gleichgesinnte erkannt
und unterstützen uns gegenseitig
auf vielen verschiedenen Ebenen.
Die Slimelight Clubnacht findet in
den Electrowerkz statt, was tags-
über als Altmetallhof fungiert und so ein fantastisches Labyrinth ist, dass regelmäßig für Painballschlachten
und als Filmkulisse benutzt wird.
Dies erklärt auch warum man ab
und zu durch ein Flugzeug-Cockpit klettern muss um an das DJ Podest zu kommen oder warum ein unbemanntes U-Boot herumsteht! Soviel Spass es mir gemacht hat, dort aufzu-
legen, ich finde leider seit ein oder zwei Jahren kaum Zeit mehr dazu, da ich meine ganze Zeit dem Musikmachen widme. Allerdings schmeiße ich immer noch jeden Januar im Sli-
melight eine Riesenparty für Freunde und Fans, auf der ich und der Rest der Band auch auflegen.
Dan Davis: Dann siehst Du wohl mehr Deine Bestimmung als Sängerin Deiner Rockband LAHANNYA als als Djane zu arbeiten, die in Clubs für gute Stimmung
und Musik sorgt?
Rechts: Die Sängerin Lahannya auf dem
M´ERA LUNA-Festival (by Lahannya).
Lahannya: Seit jeher als Musikerin und Frontfrau meines eigenen Projektes. Auf-
legen ist für mich Spaß, das sehe ich
nicht als Bestimmung.
Dan Davis: Im Jahr 2004 kam es zu einer Zusammenarbeit mit der Dan-
ce-lastigen Formation SOMAN. Kan-
nst Du etwas auf die Zusammenar-
beit eingehen?
Lahannya:Kolja Trelle, der Mann hinter Soman, ist ein sehr talentierter Songwri-
ter und Produzent, den ich 2004 im Sli-
melight kennenlernte. Ich habe seit je-
her einen sehr breitgefächerten Musik-
geschmack und Kolja’s harter Mix aus Industrial und Techno Elementen begei-
sterte mich sofort, denn er war definitiv
der Pionier dieses Stils zu diesem Zeitpunkt. Kolja war schon eine Weile auf der Suche
nach der richtigen Stimme für einen seiner Tracks und wollte unbedingt vermeiden die glei-
che Route zu gehen wie die meisten in diesem Genre, die bevorzugt verzerrte, wütende Männerstimmen featuren. Seitdem haben wir an einem halben Dutzend Tracks zusammen-
gearbeitet und sind auf vielen Festivals zusammen aufgetreten. Auf dem neuen Soman Al-
bum, das Ende 2010 herauskommt, habe ich auch wieder einem Track meinen Stempel aufgetragen...
Dan Davis: Du lebst in London. Eine wunderschöne Stadt. Ich war auch schon mehrmals dort. In Europa wird sie aber immer mehr als „Vorbild“ für eine kamera-
überwachte „1984“-Realisierung erwähnt, da es wohl derzeit kaum eine Region gibt, die mehr Kameras zur Überwachung einsetzt. Auch wenn andere Länder und Städte überall auf der Welt ebenfalls in diese Richtung tendieren und die Überwa-
chung massiv ausbauen. Wie ist Deine Meinung dazu? Siehst Du die Entwicklung problematisch? Wurde „1984“ Realität?
Lahannya: Ich denke meine Mei-
nung ist deutlich reflektiert auf „Defiance“ und „Welcome To The Underground“. Wenn man die derzeitigen politischen und über-
wachungstechnischen Entwick-
lungen betrachtet, dann sieht man eindeutig wie Großbritannien sich langsam aber sicher von einem
der liberalsten Staaten Europas
in einen Überwachungsstaat par excellence verwandelt. Überwa-
chungs-Kameras sind allgegen-
wärtig und Erbgutinformationen
von über 4 Millionen Menschen,
also mehr als 5 Prozent der Be-
völkerung, sind in einer national-
en DNA-Datenbank festgehalten,
die im Namen der Terrorismus Be-
kämpfung mit immensen finanziel-
len Mitteln extrem ausgeweitet wurde.
Mit der von der letzten Regierung geplanten Einführung von biome-
trischen ID Karten und der Zentra-
lisierung bzw. landesweiten Ver-
knüpfung von wichtigen Datenban-
ken, z.B. vom staatlichen Gesundheitsdienst, des Finanzamts, der Polizei und der Grenz-
kontrolle, würden wir uns definitiv auf eine Situation zubewegen in der der Missbrauch von Daten immer wahrscheinlicher wird. Die allgegenwärtige Angst vor dem Terrorismus und wachsender Gewalt in unserer direkten Umgebung wird Regierungen zweifellos dazu verlei-
ten mit der Überwachung und Vorbeugung gegen Gewalttaten zu weit zu gehen. Es liegt an uns, an jedem einzelnen, zu entscheiden in wie weit wir bereit sind, unsere Freiheit für ein größeres Gefühl von Sicherheit einzutauschen.
Dan Davis: Die ganze Kameraüberwachung hat ja den Terroranschlag von 2005 in London nicht verhindern können. Nun wurde eben an jenem Tag, als die Anschlä-
ge stattfanden, eine Übung In London durchgeführt, bei dem genauso ein Terror-
anschlag auf die U-Bahnstationen in der Praxis und der Umgang damit durchge-
spielt und simuliert wurde. Zufällig fanden ebensolche Übungen auch ausgerech-
net am 11. September 2001 in den USA statt, was dazu geführt hat, dass niemand mehr genau in den Entscheidungsstellen wusste, was nun zur Übung und was zur Realität gehörte. Denkst Du, dass waren tatsächlich in beiden Fällen grausame Zufälle – oder könnte mehr dahinter stecken?
Lahannya: Grundsätzlich traue ich Regierungen und der Großindustrie alles zu...
Dan Davis: Was war der erste Song, den Du jemals gemacht hast? Und wurde er veröffentlicht?
Rechts: Lahannya (by Art-in-Black).
Lahannya:Narcotic war der erste
Song und verantwortlich dafür,
dass ich mich total der Musik verschrieb. Narcotic wurde sogar zweimal veröffentlicht: zuerst auf
meiner selbst produzierten „Drow-
ning“ EP, die sehr roh und ekle-
ktisch klingt, und dann mehrere
Jahre später und total überarbeitet
von Lutz Demmler – meinem Co-Songwriter und Produzenten seit
2006 - auf dem Album „Shotgun Reality“.
Dan Davis: Was ist die Story hin-
ter dem Track „No Tomorrow“?
Lahannya: Alles hat Konsequenzen, auch wenn es noch so alltäglich oder unbedeutsam scheint. Tagtäglich tref-
fen wir Entscheidungen ohne darüber nachzudenken zu welchem größeren Endergebnis wir beitragen: Wir den-
ken nur short-term und selbstsüchtig. Ab und zu werden wir uns der letz-
tendlichen Konsequenzen einer un-
bedeutsam scheinenden Handlung bewusst und es nicht immer einfach sich mit diesem mit diesem Wissen auseinandersetzen.
Dan Davis: Du hast im Jahr 2009 auch auf dem Wave-Gothic Treffen in Leipzig gespielt, ein jährliches Völkertreffen "dunkler Gesellen" der schwarzen Musikszene, welches inzwischen Kult-Status besitzt. War das dein erster Besuch in Leipzig und auf dem Festival? Und wie war es? Würdest Du dort in den nächsten Jahren nochmals auftreten?
Lahannya: Ich bin in Leipzig schon mehrmals als Gastsängerin anderer Bands und als DJ mit dabei gewe-
sen, bevor ich 2009 endlich mit mei-
ner eigenen Band auf der Parkbühne stand. Wir spielten bei strahlendem Sonnenschein auf einer Open Air
Bühne vor ca. 3000 Leuten, was to-
tal gigantisch war. Jederzeit wieder!
Dan Davis: Wird es bald ein neues Album von Dir geben?
Lahannya: Im Juni 2011 wird unser
drittes Album „Disorder“ veröffentli-
cht und als kleinen Vorgeschmack
und Überbrückung bis dahin wird
jetzt im November noch eine kleine Kostprobe als Fan Edition CD &
DVD bei uns am Merch Stand auf
Tour erhältlich sein!
Dan Davis: Vielen Dank für Deine
Zeit. Und alles gute für die anstehenden Projekte.
(COVER UP! Newsmagazine, 12.11.2010)
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