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Dan Davis im Interview mit PATENBRIGADE: WOLFF!
Sven Wolff (DUST OF BASEMENT) über die NSA-Affäre,
die STASI, die DDR, Überwachungsstaat & die "Brigade" 
 
Dan Davis im Interview mit Sven Wolff
von PATENBRIGADE: WOLFF, die zum
feierlichen Anlass der NSA-Affäre 2013
kostenlos den Song "Feind hört mit!" 
einschließlich Remix-Versionen zum
Download anbieten. PATENBRIGADE:
WOLFF ist ein musikalisches Projekt,
für das in der Vergangenheit u. a.
SCHILLER, PAUL VAN DYKE und andere
Remixe anfertigten. Wolff selbst verar-
beitet in diesem ehemaligen Side-Pro-
jekt der inzwischen nicht mehr aktiven
Band DUST OF BASEMENT auch immer
wieder den ehemaligen Überwachungs-
staat der DDR, in dem er aufgewachsen
ist. Die Patenbrigade wurde im Jahr
1998 von Sven Wolff und Lance M. Mur-
dock gegründet. Musikalisch beeinflusst
wurden sie u. a. von Bands wie KRAFT-
WERK, FRONT 242, DEPECHE MODE
und TANGERINE DREAM. Sven Wolff
jetzt hier im Interview über die "Briga-
de", die NSA-Affäre 2013, STASI, DDR,
Überwachungsstaat und anderes!  LLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLL
Da flatterte vor nicht allzu langer Zeit der Download-Link zu kostenlosen Versionen von „Der Feind hört mit!“ bei Dan Davis ins Haus, was ihn dazu veranlasste, „Brigadier Sven Wolff“ der PATENBRIGADE: WOLFF über seine Meinung zu diversen Themen zu "verhören". Heraus kam ein Interview, bei dem er ungehemmt „Stellung“ bezieht! Feuer frei!

Sven Wolff im Interview mit Dan Davis:
"Wir gehen immer davon aus, dass wir zufällig in die
perfekte Zeit am perfekten Ort geboren wurden. Un-
recht findet nur woanders statt. Bei uns sind die Guten
an der Macht und wer das anzweifelt, muss einfach
falsch liegen. Dass der Großteil der DDR-Bürger und
des NS-Regimes das Gleiche über sich und ihre Zeit
das gleiche dachte, ignorieren wir - die irrten sich
eben..."

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Bild oben: "PATENBRIGADE: WOLFF" (by Jens Wolff).
 
 
Dan Davis: Hallo Brigadier. Wenn ich mich recht entsinne, dann war Eure CD „Werkzeugbuch“ im Jahr
2003 in meiner Sammlung das erste Album, das ich von „PATENBRIGADE: WOLFF“ erstanden habe. Aufmerksam geworden bin ich damals irgendwie über Deine damalige Band „DUST OF BASEMENT“.
Was hat Dich einst dazu veranlasst die Patenbrigade zu gründen neben Deinen anderen Projekten?
Und wie kamst Du zur Musik?      
 
Brigadier Wolff: Es gab ja eine ganze Zeit lang beide Projekte. DUST OF BASEMENT hat nach 15 Jahren Be-
stehen einfach nicht mehr funktioniert, so dass nur noch die Patenbrigade übrig blieb. Aber das hat eigentlich
nichts miteinander zu tun.
 
Die Idee zum Projekt entstand 1997, als ich Lances Onkel Ingolf kennenlernte. Ingolf war damals Turmdrehkranfüh-
rer und berichtete uns von seinen Erlebnissen auf seinem Kranführerposten. Zwischen seinen Hebeaufträgen hatte
Onkel Ingolf viel Zeit, in der er die wunderbare Aussicht aus seiner Kranführerkanzel genießen konnte. Um den
Genuss zu verstärken, würzte er diese Momente des Öfteren mit Hebeaufträgen alkoholischer Art. Aufgrund dieser
kam es leider zu einigen unerfreulichen Vorfällen und seine Entlassung stand unmittelbar bevor. Daher kam uns die
Idee, ihm Genuss musikalischer Art zu verschaffen und kompilierten ihm das erste Turmdrehkranführer-Tape. Das
Tape wurde unter seinen Kollegen hundertfach kopiert, und es entstand enorme Nachfrage nach einem offiziellen
Release.
 
Dan Davis: Ihr habt ja zum feierlichen Anlass der NSA-Affäre für Eure Fans vor einigen Wochen den Track
„Feind hört mit!“ in einigen Versionen zum kostenlosen Download bereitgestellt. Inzwischen gibt es ja
kaum einen Tag ohne neue Enthüllungen in diesem Zusammenhang mit Edward Snowden. Wurde „1984“
Realität? 
 
Brigadier Wolff: Realität ist “1984” sicher noch nicht, aber wir sind auf dem besten Weg dort-
hin. Nachdem die Industrie schon seit einigen
Jahren das Internet für sich entdeckt hat, be-
greift nun auch der Staat langsam, welch wun-
derbare Überwachungsmöglichkeiten das Netz
bietet. Momentan werden die Weichen gestellt,
in welche Richtung sich das Netz entwickeln
wird.
 
Dan Davis: Du kommst ja, soweit mir be-
kannt, aus den „neuen“ Bundesländern
und hast die Stasi noch miterleben „dür-
fen“. Bewegen wir uns wiederholt in ei-
ne gefährliche Richtung nach der unrüh-
mlichen DDR-Stasi-Vergangenheit und
zuvor dem Dritten Reich?
 
Brigadier Wolff: Es ist schon erstaunlich, wie
sich die Geschichte wiederholt. Doch so lan-
ge wir uns nur auf die Symbole vergangener
Unrechtssysteme konzentrieren, werden wir
nicht mitbekommen, wie man vor unseren
Augen den nächsten Überwachungsstaat in-
stalliert. Man wird uns später die Frage stel-
len, warum wir dabei tatenlos zusahen. Die
Meisten werden dann  wohl antworten, dass sie damals überhaupt nicht begriffen haben, wie bedeutsam das Inter-
net sein wird. Für sie besteht das Netz nur aus Facebook, Google, Amazon und Ebay. Jeder entscheidet doch
selbst, wie er die Netzwerke nutzt und was er dort von sich preisgibt; so ihr Argument. Doch bereits jetzt wandert
das Netz auch in Fernseher, Autos, Stromzählern usw... In Zukunft wird es nicht mehr möglich sein, sich aus dem
Netz auszuklinken, da das Netz einfach überall drin ist und auch nicht deaktiviert werden kann. Und bislang haben
wir nicht die geringste Vorstellung davon, welche Möglichkeiten sich aus der Zusammenführen der Daten all dieser
Geräte ergeben. Deshalb ist es wichtig, diese Entwicklung genaustens im Auge zu behalten.
 
Dan Davis: Hast Du selbst damals im Bekanntenkreis oder familiären Umfeld negative Erfahrungen in der
DDR gemacht?
 
Brigadier Wolff: Unmittelbar negative Erfahrung nicht. Jedoch weiß ich, wie es ist, mit dem Gefühl zu leben, perma-
nent überwacht zu werden. Der Track “Feind hört mit!” ist ein gutes Beispiel. Man hört den Anruf eines IMs bei der
Stasi. Der IM meldet Jugendliche, die an einem Rockkonzert teilnehmen. Eigentlich nichts Schlimmes, doch die
Jugendlichen müssen Überwachung, Schikane und möglicher Weise auch Festnahmen über sich ergehen lassen.
Kleidung und Musik machten sie sich verdächtig. Niemand weiß was unseren aktuellen Geheimdiensten als Ver-
dachtsmoment ausreicht.
 
Dan Davis: Wenn man die Statistiken betrachtet, dann nimmt die Kriminalität seit 1968 in einer kontinuier-
lichen Linie in Deutschland ab. Trotzdem wird uns über die Massenmedien und das Fernsehen das Gefühl
vermittelt, es wäre genau andersherum. Warum ist das Deiner Meinung nach so?
 
Brigadier Wolff: Das verstehe ich ehrlich
gesagt auch nicht. Der Terrorismus vor
dem man uns ja eigentlich beschützen
möchte, funktioniert ja erst durch unse-
re Aufmerksamkeit. In dem wir in den
Medien und sozialen Netzwerken so
zahlreich über Anschläge berichten,
geben wir den Terroristen ja erst ihre
Macht. Unsere Medien haben unseren
Blick für die wirklichen Gefahren voll-
kommen vernebelt. Deshalb lassen wir
es zu, dass so extrem viel Geld in die
Terrorabwehr gesteckt wird. Wäre das
Geld nicht viel besser z.B. in der Krebs-
forschung aufgehoben? Ist das Leben
der 3000 WTC Opfer wirklich so viel
mehr wert als das der über 200.000
jährlichen Krebstoten in Deutschland?
 
Dan Davis: Der Wikileaks-Informant
Bradley Manning ist zu 35 Jahren
Haft verurteilt worden, unter ande-
rem weil er der Welt die Wahrheit
mitgeteilt hat, wie die USA auf ei-
nem Video gegen „Terroristen“ vor-
geht, die wahrscheinlich zum Teil
gar nichts davon wussten, dass sie Terroristen sind. Mein Rechtsempfinden würde hier eher dafür spre-
chen, die Verantwortlichen dieser Straftaten unter dem Deckmantel des Militärs einzubuchten, die hier
mordend durch die Welt ziehen. Sind Leute wie Manning und Edward Snowden für Dich ebenso wie für
die US-Regierung Straftäter oder nicht? Brauchen wir mehr oder weniger „Snowdens“?
 
Brigadier Wolff: Wir gehen immer davon aus, dass wir zufällig in die perfekte Zeit am perfekten Ort geboren wurden.
Unrecht findet nur woanders statt. Bei uns sind die Guten an der Macht und wer das anzweifelt, muss einfach falsch
liegen. Dass der Großteil der DDR-Bürger und des NS-Regimes das Gleiche über sich und ihre Zeit das gleiche
dachte, ignorieren wir - die irrten sich eben. Snowden und Manning sind die Staufenbergs unserer Zeit. Ihr Verdienst
ist es, schon in der Gegenwart auf Missstände aufmerksam zu machen.
 
Dan Davis: Kommen wir zu Eurer aktuellen CD „Baustopp“ aus dem Jahr 2012. Wie lange habt Ihr an dem
Album gewerkelt und was gibt es über den Tonträger zu berichten?
 
Brigadier Wolff: “Baustopp” ist ja eigentlich eine Compilation der ruhigen Ambienttracks, die auf unseren bisherigen
Alben waren. Als Zwischentracks kamen sie leider nicht richtig zur Geltung. So hatten wir die Idee, diese Tracks
noch einmal auf einem eigenen Album zusammen zufassen.
 
Dan Davis: Der Song „Turmdrehkran“ ist ja nicht nur unter „PATENBRIGADE“ erschienen, sondern er ist
damals auch auf einer CD von „DUST OF BASEMENT“ veröffentlicht worden. Wer war die Henne und wer
das Ei?
 
Brigadier Wolff: Turmdrehkran hatte ich
eigentlich für die PATENBRIGADE pro-
duziert. Da damals jedoch noch nicht
klar war, ob es überhaupt jemals eine
P:W CD geben wird, entschloss ich
mich den Track zunächst auf einer DOB
CD zu veröffentlichen, obwohl er dort sti-
listisch eigentlich gar nicht raufpasste.
Später gab es dann ja auch noch mal
eine Patenbrigade EP mit Turmdreh-
kran-Remixen.
 
Dan Davis: Ein anderer Song von
PATENBRIGADE, der mir über die
Jahre im Ohr geblieben ist, ist na-
türlich „Ostberliner Bauarbeiter“
mit einem prägnanten Ausspruch
von Walter Ulbricht. Kannst Du zu
dem Track und Deinen Intentionen
etwas sagen?
 
Brigadier Wolff: Das Thema Bau an
sich ist unheimlich inspirierend. Zum
einen gibt es auf der Baustelle eine
Vielzahl dieser mächtigen Maschinen,
die mit ungeheurer Gewalt wie auch mit
rhythmischer Präzision arbeiten. Die
großen Turmdrehkräne hingegen muten manchmal fast schon elegant und über die Welt erhaben an. Auf der Suche
nach geeigneten Samples fand ich eines Tages die Ulbricht-Zitate und hatte gleich einen bestimmten Sound dazu im
Ohr. Dadurch ergab sich für uns ein Richtungswechsel von eher ruhigem Ambient zum Industrial-Elektrosound.
 
Dan Davis: Wenn ich auf Youtube gehe, dann finde ich hier einen offiziellen Kanal, wo man ungehemmt
Spaß an einer Vielzahl Eurer Tracks haben kann. Weshalb kamt ihr auf die Idee, hier so viele Tracks dem
Hörer unendgeldlich auf die Ohren zu geben?
 
Brigadier Wolff: Nun ja, mein Antrieb Musik zu
produzieren ist ja eigentlich der, dass sich Leu-
te diese Musik anhören. Als ich 1993 mit dem
produzieren begann, habe ich von einer Mögli-
chkeit wie Youtube geträumt. Damals musste
man sich um ein Label kümmern und selbst
dann war nicht sichergestellt, ob die CD in den
Läden steht und somit überhaupt gehört werden
kann. Ich finde es großartig, meine Musik der
ganzen Welt zur Verfügung stellen zu können.
Es heißt immer, es würde keine Wertschätzung
stattfinden, wenn die Leute Musik gratis saugen.
Das finde ich gar nicht. Wer seine Wertschät-
zung nur auf das Überreichen von Geldscheinen
beschränkt, sollte dringend einmal seine Wert-
vorstellungen überprüfen.
 
Dan Davis: Patenbrigade ist ja trotz allem
ein Projekt, welches über lange Strecken
instrumental gehalten wurde. Im Jahr 2010
habt ihr aber das Album „Baustoff - Pop-
musik für Rohleger“ herausgebracht, auf
dem eine Vielzahl von Sänger(inne)n zu
vernehmen sind. Wie kam es dazu?
 
Brigadier Wolff: Eine Brigade mit nur 2 Mit-
gliedern ist ja eigentlich keine richtige Brigade.
„Baustoff - Popmusik für Rohleger“ war unsere
Personalsuche, aus der sich unsere jetzige
Belegschaft von 5 Brigademitgliedern heraus-
kristallisiert hat.
 
Dan Davis: Zum Abschluss muss ich Dich natürlich fragen, und bin damit wahrscheinlich nicht der einzige:
Wird es nochmals eine „Re-Union“ von „DUST OF BASEMENT“ geben, eventuell in teilweise veränderter
Besetzung?
 
Brigadier Wolff:   Das wird in absehbarer Zeit wohl nicht stattfinden.
 
Dan Davis: Was steht bei Dir / Euch musikalisch als nächstes an?
 
Brigadier Wolff: Es werden bald neue EPs mit unseren Sängern erscheinen. Live kann man uns dieses Jahr noch
auf einigen Festivals in Berlin, Chemnitz, Malmö und in Moskau sehen.
 
Dan Davis: Vielen Dank! Und viel Spaß bei den anstehenden Aktivitäten.
 
 
 
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Feind hört mit! (B. Honeckers MfS Edit) - by PATENBRIGADE: WOLFF
 
 
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DUST OF BASEMENT Your Light (ehemalige Band von Sven Wolff, PATENBRIGADE: WOLFF)
Your Light (Club Mix 2004)
 
 
 
(Copyright by COVER UP! Newsmagazine, 25.09.2013)
 
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