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Dan Davis im Interview mit WIDUKIND
Carsten Klatte (Ex-Project Pitchfork / Wolfsheim / Heppner / Cassandra Complex) über sein neues Projekt, Freimaurer, O.T.O., Crowley & Kunst
 
Carsten Klatte war über 10 Jahre Gitarrist der
Band Project Pitchfork, arbeitete mit Größen
wie den Einstürzenden Neubauten, Cassandra
Complex und Heppner / Wolfsheim. Zusammen
mit Yve Darksound hat der Musiker jetzt ein
neues Projekt mit dem Namen WIDUKIND am
Start, welches sich inhaltlich mit Illuminaten,
Freimaurern, Crowley & anderem beschäftigt.
 
WIDUKIND ist mehr als nur ein Kunstprojekt,
das musikalisch irgendwo im BereichNeo-Folk einzustufen ist. Denn Carsten Klatte veröffentlichte die Debüt-CD zusammen mit einem Roman, der laut seiner Aussage eine Mischung aus "Kill your Friends", eine Prise "Edda", "Illuminati" und "Empört Euch!" ist. Carsten Klatte war über 10 Jahre Gitarrist der Electro-Band PROJECT PITCHFORK, arbeitete mit CASSANDRA COMPLEX und spielte mit diesen das Album "Wet Ware" ein, ebenso wie diverse Alben der Band GIRLS UNDER GLASS, arbeitete mit GOETHES ERBEN, WOLFSHEIM, PETER HEPPNER oder auch den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN. Als Carsten Dan Davis das neue WIDUKIND-Projekt zukommen ließ, war klar, dass ein Interview für das COVER UP! Newsmagazine praktisch nicht mehr zu verhindern ist. Hier nun das ausführliche Endergebnis über die Illuminaten, Freimaurer. Aleister Crowley, den O.T.O., Politik, Kunst, Musik und Widukind:
 
Rechts: Carsten Klatte von WIDUKIND.
 
Dan Davis: Hallo Carsten. Kannst Du dem Leser kurz umschreiben, um was es Dir bei Widukind musikalisch und inhaltlich geht? Wer Widukind / sowohl als Band
als auch hintergründig betrachtet, ist?
 
Carsten Klatte: „Widukind“ ist ein Kenning. Im Nordischen
sind Kennings Umschreibungen, ich glaube, wir würden da heute „Indianernamen“ zu sagen. Thor wurde ja als der
„Donnerer“ umschrieben, eine Kenn- ung (Kenningar), um
quasi gleich zur Sache zu kommen, um wen es sich handelt
im charakterisierenden Sinne. Widukind bedeutet „Kind des Waldes“.
 
Wir haben uns des ursprünglichen Namens im Sinne eines nordischen Kennings bedient und haben wenig Bezug zum
alten Sachsenhäuptling, welcher sich Karolus Magnus, ich
glaube 777, entgegenstellte. Er ist ja auch eine dubiose Figur, über welche eher spekuliert wird, als dass da noch genug Wissen übrig geblieben ist, um sich von ihm ein echtes historisches Bild machen zu können.
 
Im Sinne einer, sagen wir „pseudohistorischen Projektions-
fläche“ taucht „Sachsenhäuptling Widukind“, als Teil der Sozialen Plastik im Buch „Widukind“ zwar auf, hat aber
nichts mit dem Bandnamen zu tun, denn eigentlich verbirgt
sich im Buch hinter der Figur Widukind eine andere, nämlich
der alte nordische Gott Heimdal.
 
Kind des Waldes zu sein bedeutet für uns, für mich und meine Frau, Yve Darksound, mit welcher ich zusammen die Band Widukind betreibe, eine Verbindung zum Ursprünglichen zu haben. Es gibt eine alte Geschichte über den Gott Saturn und seine Frau Diana, in welcher er immer ihre frisch geborenen Kinder fraß, weil er nicht wollte, dass die Kinder die Zeit seiner Frau stehlen sollten, weil er sie vögeln wollte. Diana schaffte es einige Kinder vor Saturn (Chronos, die Zeit) zu retten, indem sie sie in den Wäldern versteckte. Jene Kinder der Diana, welche von nun an der Diana halfen, andere Kinder vor dem Kinderfresser Saturn zu retten, welche in den Wäldern, dem Reich der „Mutter“ lebten, nannte man im alten Griechenland „Kriais“. Ein „Widukind“ ist so etwas in dieser Art.
 
Dan Davis: Wann kamst Du auf die Idee Widukind ins Leben zu rufen und warum?
 
Carsten Klatte: Wer mich kennt, bzw. meinen künstleri-
schen Werdegang mitverfolgt hat, weiß, dass ich all die Jahre immer englische Texte in meinen Songs benutzte. Ich tat das, weil ich damit eigentlich eine sogenannte kosmopolitane Haltung zum Ausdruck bringen wollte.
 
In meiner Selbsterziehung zum Kulturmenschen, also
dem künstlerischen Schaffen, machte ich jedoch die Erfahrung, dass künstlerische Expansion, also auch geistiges Wachstum von der, dem Künstler umgeben-
den Kultur-“Situation“ um ihn herum gebremst oder gehemmt werden kann, sprich ich erkannte eine Art Disfunktion in der bestehenden Gesellschaft, in der es nicht darum geht, dem Individuum die Freiheit zu be-
scheren, sondern eher darum, ihn zur Beschränktheit
zu erziehen. Dieses ging jedoch meiner Ethik, welche
sich durch mein Kunstschaffen heraus gebildet
hatte, gegen den Strich und ich befand mich in einer perfekten Konfliktsituation. In solchen Augenblicken,
wo der Existenzialismus den eigenen Elfenbeinturm einreißt, kommt man auf des Pudels Kern und ich beschloss, quasi aus Elfenbeinturmsicht, Entwicklungsarbeit zu leisten, meine „alliierten/ex-wessi“ Wertmaßstäbe über Bord zu werfen, welche ja auch durch Globalismus und EU-Karaoke genial enttarnt worden sind vor dem inneren Auge. Und mich an meine direkte Umwelt zu wenden, denn einmal „ausgeklinkt aus der Matrix“ wird einem schnell bewusst, auf welche Art von „Netzwerkbildung“ man geistige Konstrukte wie „Identitäten“ im Sinne einer Sozialen Plastik dauerhaft und organisch aufzupflanzen hatte. Ich hatte das Bedürfnis, meine deutschsprachigen Mitmenschen näher an meine Musik zu bringen, weil sie durch meine „anglizistischen Stilmittel“ immer gern geneigt waren, geistig abzuschalten. Sprich, die wenigsten Leute in Deutschland verfügen über genug Englischkenntnisse, um sich angesprochen zu fühlen und reagieren auch noch doppelt sensibel, wenn sie in ihrer Muttersprache angesprochen werden.
 
Versteh mich nicht falsch. Ich empfinde es nicht als schlimm, wenn die Leute kein Englisch können, ich merkte nur ein großes KULTURELLES Defizit im Sinne eines „vereinten kultiviertem Europas“. Ich hatte das Bedürfnis, ein deutschsprachiges Projekt ins Leben zu rufen,was für mich bedeutete, auch den „Kulturstandort Deutschland“ als Thema MIT diesem Thema zu bearbeiten. Wenn die deutschen Europäer kein „Bewusstsein“ darüber hätten, woher
sie kommen, denn es gibt eine Geschichte jenseits von 1933, dann hätten sie auch keine europäische Identität und sind so das, was sie eben zu sein scheinen, salopp gesagt, Kanonenfutter der Hochfinanznazis. Die ganze politi-
sche Debatte, welche in der letzten Zeit in Europa entbrannt ist, ist in meinen Augen primär eine kulturelle. Deshalb muss auch jeder vor „seiner Haustür“ anfangen und ich bin in diesem Fall eben in Deutschland geboren und
aufgewachsen und dabei zufällig auch noch Künstler.
 
Ein in meinen Augen sehr hoch angesehener kultureller Gedanke, der dem deutschen Kulturraum zumindest historisch zuzuzählen ist, ist der der Sozialen Plastik und des erweiterten Kunstbegriffes. Joseph Beuys hatte es in den 70ern damit formuliert, dass jeder Mensch ein Künstler ist. Christoph Schlingensief sagte irgendwann in den 2010ern, „dass wenn Politiker Theaterpreise kriegen sollten und Männer sich die Beine rasieren, der erweiterte Kunstbegriff doch umgesetzt sei“, was sicherlich amüsant oder alarmierend klingt, je nachdem wie man es sieht, jedoch weit an dem vorbei geht, was Beuys selbst darüber dachte und was in den „weiten Kunsträumen der Gedankenbilder“ irgendwie verloren gegangen ist. Er meinte damit, dass, wenn jeder Mensch mit der selben Sorgfalt an seinem Leben arbeiten würde, wie ein Künstler es tut, weil Kunst ein Prozess ist und kein Produkt, würden wir so unsere Lebensqualität verbessern können, weil jeder einen Begriff hätte von Ethik und Moral/Tugend/Mitte. In diesem Sinne, wenn die Arbeit an der eigenen sozialen Rolle, dem geschlechtsspezifischen Verhalten, der Sozialisation und Domestizierung mit der selben Sorgfalt ausgeführt würden, wie ein Bildhauer den Stein bearbeitet (hier gibt es sogar eine Analogie zur Freimaurerideologie, wobei Beuys ein Anthroposoph gewesen ist...), hätten wir eine bessere, kultivierte Gesellschaft und die Grundlage für das, was allgemein als Demokratie bezeichnet wird.
 
Rechts: Carsten Klatte, rechts, mit Peter Heppner
(WOLFSHEIM / HEPPNER), links.
 
 
 
Nun, Widukind, das Buch und das damit entstandene erste Album, ist sozusagen ein „Denkbild“ der Sozialen Plastik „Klatte“ (in Verbindung mit meiner Frau natürlich). Es ist die direkte Kommunikation des Künstlers mit seiner Umwelt, in diesem Fall wohl vermeintlich der deutschsprachige Kulturraum. Aufbauend auf den „Klischees“, welche, wie ich es immer gerne sage, „vermanscht“ werden, angefangen beim Grufti-Charme, den Neo Folk-Anleihen
in Verbindung mit z.B. Filmmaterial von Hans Richter, einem Dada Künstler aus Berlin, der von den Nazis als „entartet“ bezeichnet wurde, welches bei Live Performances mit eingebracht wurde, bis hin zu den Wortspielen in den Texten, geht es um ein prozessorientiertes Denken, welches den Hörer, abgesehen davon, dass es ihn unterhält, vielleicht auch zum Reflektieren bringt. Im besten Fall sogar zum Entdecken seines eigenen Potentials, welches er, analog zu den Gedanken von Beuys, selbst einmal entwickeln will.
 
Dan Davis: Du hast zuvor schon Deine musikalischen Qualitäten mit La Casa del Cid gezeigt. War La Casa Deine erste Band?
 
Carsten Klatte: Meine erste Band hatte ich mit 11 Jahren und bei meinem ersten Gig waren auch schon die „Bullen“ da, was mich als kleener Steppgen sichtlich stolz gemacht hatte. Irgendwie ahnte ich damals schon den „Rock and Roll“, welcher mein Leben bestimmen sollte bis jetzt. Mit 15/16 spielte ich dann in Norddeutschland in einer Jazz Band, so mit Stipendium vom Land und kam dann langsam auf den Punk. Lacasa del Cid entstand dann 1989 und ich sammelte erstmal ne Menge Eindrücke, bevor es 1999 dann zum ersten Album kam. Insgesamt gab es dann drei Lacasa Alben, wobei die letzten zwei relativ schnell hintereinander entstanden sind.
 
Dan Davis: Du hast in der Vergangenheit auch schon  mit Bands wie Wolfsheim, Cassandra Complex, Project Pitchfork, Goethes Erben, Peter Heppner oder auch den Einstürzenden Neubauten  zusammenge-
arbeitet. Kannst Du ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern? Gibt es eine Zusammenarbeit, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
 
Links: Carsten Klatte mit Project Pitchfork, Amphi-
Festival, Köln, 2010, (by alternation.pl).
 
 
 
Carsten Klatte: Eine Anekdote? Gerne. Zum Beispiel
die „Airshow“ mit N U Unruh (Einstürzende Neubauten, Anm. d. Verf.). Die Airshow ist eine von ihm erdachte Inszenierung, in der wir Samples abgefeuert haben, welche irgendeinen Zusammenhang mit dem Element
Luft haben. Düsenjets, Luftballons, Donner und Fliegen. Alles wurde zu einer Soundlandschaft verwurstet. Mit diesem Zeug sind wir dann eingeladen worden von einem Künstlerkollegen, welcher, im Namen der EU und der Windenergielobby, ein Windrad bearbeitet hatte, mit Leuchtstreifen und LEDs. Das ganze Spektakel dauerte ca. 20 Minuten. Wir bauten auf, mitten in der Lausitz auf einem Feld im „Windpark“, die Lobby wurde angekachelt mit dem Bus, wir spielten unsere Samples auf dem Feld, die Industriekletterer klebten gerade die letzten LEDs an, es wurde gestaunt und Tee getrunken, weil es arschkalt war und danach rückten alle wieder ab. Wie gesagt, nach 20 Minuten war der Spuk vorbei. Es war glaube ich eine der skurrilsten Veranstaltungen, denen ich beiwohnen durfte. Es wurde einfach Geld rausgebla-
sen, wobei wir selbst gerade mal die Benzinkohle raus hatten, soweit ich mich erinnere. Ich glaube „elitär“ ist hier ganz angemessen...
 
Dan Davis: Rodney Orpheus von Cassandra Complex ist ja bekennendes Mitglied des O.T.O. (Ordo Templi Orientis). Bist Du auch Mitglied einer ähnlichen Vereinigung, außer dem Pilzbrüdern in naher Zukunft (laut dem Roman zur CD wird dort die „Pilzbruder-
schaft“, eine den Freimaurern zugehörige Gruppierung, die die Geschicke der Welt lenkt, eines Tages unterwandert und deren Pläne manipuliert) (grins)?
 
Carsten Klatte: Rodney ist an dieser Stelle immer sehr „süß“,wie ich finde. Für ihn ist der O.T.O. und Rock and Roll irgendwie untrennbar, beides ist eben sexy.
 
Rechts: Carsten Klatte und Yve Darksound alias
WIDUKIND.
 
 
 
In diesem Sinne muss ich ihn bestätigen, denn die
Idee des O.T.O. und die Ideologie von Thelema, den
„Denkbildern“ Crowleys, sind sexy, da befreiend. Leider
ist die Umsetzung von Theorie in die Praxis nicht immer
garantiert, nur weil ein Glaubenssatz es zulassen wür-
de, dass wir alle eine bessere Zeit hätten.
 
Das „Logenwesen“, egal ob es sich dabei um die Freimaurer handelt oder den O.T.O., ist genauso korrumpiert, wie der Rest der Kultur. Das„Problem“
mit den höheren Weisheiten ist das, dass wenn
man sich nicht „hochpolt“ auf IHR Niveau, also eine entsprechende seelische und geistige Reifung erfährt, welche ihnen angemessen ist, man sie auch nicht
versteht und sowas kann dann, zumindest eine Zeit
lang, gefährlich sein, im wesentlichen für das Individu-
um selbst, weil es sich der Kausalkette von Ursache
und Wirkung nicht bewusst ist, in welche es eintritt,
wenn es sich aufgrund seiner „internen Betitelung“
überschätzt. Crowley hätte sich bei solchen Sachen
noch nicht einmal an die Birne gefasst.
 
Die Pilzbrüder sind eine Metapher dafür. Glaube mir,
ich habe solche Menschen getroffen und kennenlernen
müssen, ich sie sonst auch nicht in meinem Buch verwurstet. Mein Kommentar an dieser Stelle war immer, dass so mancher Logenbruder DOCH lieber eine Gothic Band hätte gründen sollen und Beuys garantiert mehr Ahnung hatte von „heiliger Geometrie“, als so mancher „Prinz von Jerusalem“...
 
Dan Davis: Sehr interessant. Ich fand das Buch Widukind, welches der CD beiliegt, sehr unterhaltsam.
Über weite Strecken erinnerte es mich doch entfernt an die Werke von Charles Bukowski. Inhaltlich könnte man die Themen Kunst und Politik, auf leicht ironische Weise dort verarbeitet, mit hervorheben. So beschreibst Du selbst es als eine Mischung aus „Kill your friends“, eine Prise „Edda“, „Illuminati“
und „Empört Euch!“. Warum überhaupt ein Buch und nicht nur eine CD?
 
Links: Carsten Klatte live mit Project Pitch-
fork, Amphi Festival, Köln, 2010 (by alter-
nation.pl).
 
Carsten Klatte: Wegen der Hintergrundinforma-
tion.
 
Ein Buch ist immer noch etwas gemütlich-
er als ein Musikwerk und man kann mehr
subversive Ideen speichern. Eine CD allein
wird heutzutage viel zu schnell gescannt und verarbeitet. Konsumhaltung eben. Etwas zu
produzieren, was sich nicht unbedingt als Gesamtbild konsumieren lässt, ist ein
Wagnis und als CD vielleicht ein Ding der Unmöglichkeit, sofern du nicht absoluten Lärm machst.Allein in Deutschland erblicken täglich zwischen 4500 und 7500 Veröffentlichungen das Licht der Welt und
es war eben auch nicht mein Bestreben, mit dem „Gesamtkunstwerk Widukind“ einfach medial vor die Hunde zu gehen.
 
Also entwarf ich das Essay um ein paar „Hintergrundinformationen“ preis zu geben, was mich dazu bewegen würde, ein „Schiff“ wie Widukind zu Wasser zu lassen, vielleicht ein Tropfen auf den heißen Stein der Zeit, aber die Idee eine Nachlasses meines künstlerischen Schaffens am „Ende der Zeit 2011/2012“ in schriftlicher Form machte mir Freude. Ich denke nicht, dass es bei diesem Essay bleiben wird, aber ich muss auch erstmal erleben, wie die Reaktion darauf ausfällt, da der Text , den ich geschrieben habe, nicht unbedingt leicht verdaulich ist.
 
Das Essay ist ein Denkbild (ein Ausdruck von Beuys). Ich bezeichne es als Kopftheater. Kopftheater, im Gegensatz zum Kopfkino, ist ein offener Prozess. Wenn man als Leser einsteigt in „das Stück Widukind“, kann man selbst entscheiden, in welche „Bahnen“ man es lenken möchte, ob man sich verwirren lassen will, sich „entertaint“ fühlt
oder den „tieferen Sinn“ des Denkbildes/Mandalas entschlüsseln möchte.
 
Mich selbst hat der Prozess des Schreibens jedenfalls definitiv verändert und ich denke, es wird nicht bei diesem einen Essay bleiben. Ich glaube, ich habe Gefallen daran gefunden.
 
Dan Davis: In dem Buch beschreibst Du die Welt aus verschiedenen Zeitzonen, zeitweise rückblicken aus der Zukunft, als eine Art Sklavenstaat-Gesellschaft. Dazu ein mir in Erinnerung gebliebenes erwähnens-
wertes Zitat von Dir: „… Und da die Deutschen es zu der Zeit, als sie noch einen Personalausweis hatten, auch nicht verstanden, wessen Personal sie waren, änderte ich die Definition in Perso-anal.“ Vielleicht eine kurze Ergänzung Deinerseits zum Thema:
 
Rechts: Carsten Klatte und Yve Darksound alias WIDUKIND.
 
Carsten Klatte: Ich spiele damit an auf Ereignisse, die 2011 im Internet als sogenannte Verschwörungstheorien kursierten. Ich glaube, es war der 26.06.2011, wo die
EU Deutschland „ursupierte“, weil seit der „Wiederver-
einigung“ 1990 das „ deutsche Land“, laut römischen
Recht,ein herrenloses Land war und jemand kommen sollte, der quasi seine Fahne da rein steckt und den Anspruch darauf klar macht. Da am 26.06.2011 diese
Frist verstrich, und das „deutsche Volk“ diesen An-
spruch nicht geltend machte, da es anscheinend nichts davon wusste, fiel das deutsche Land an die EU, welche somit ein Territorium besitzt und nicht einfach mehr aufgelöst werden kann.
 
Wenn man in diese Richtung ein wenig recherchiert, kommt man auf die Ausarbeitung der EU als die „Neuordnung Europas“, welche mit dem Ende des
deutschen Kaiserreiches und dem ersten Weltkrieg
seinen Anfang nahm. Zumindest stellt man fest, selbst
mit seinem Zeitgeist-Empfinden scheinbar in Prozesse
mit eingebunden zu sein, von welchen man kaum eine
Ahnung besitzt, welche Dimensionen und Zeitfenster
sich da auftun und auf wessen „Spielbrett“ man sitzt
und herum geschoben wird.
 
Was die Deutschen angeht und ihre „Anstellung“
bei den früher mal „alliierten Mächten“ und ihrer nun versuchten „selbstverwalteten“ G.m.b.H. scheint die jüngere Geschichte zu zeigen, dass der Begriff Staat,
so wie er eigentlich gemeint ist, gar nicht verwirklicht wurde und diese Verwirklichung auch niemals geplant war,
nach dem 2. Weltkrieg. Interessant ist, dass, seitdem diese Fragestellung im Netz diskutiert wird, neben zum Beispiel der 9/11 Thematik, die sogenannten Antifa-Aktivistenseiten, neben Antisemiten und Rassisten, nun auch Verschwörungstheoretiker als zu verfolgend betrachten, was wiederum eine, in meinen Augen, gezielte Public Relation Kampagne ist, denn so funktioniert ja die Masse, die sich an jenen Stellen dann glaubt, Information zu holen, welche durch scheinbare Institutionen untermauert, zur Meinungsbildung heran gezogen wird.
 
Das „Problem“ dabei ist der Unterschied zwischen einer juristischen Person und einer natürlichen. Bei ersterer
gelten die Menschenrechte nicht. Die meisten Anwälte studieren Handelsrecht und nicht Völkerrecht, welches im „normalen Jura-Studium“ nicht vorkommt oder nur bedingt, habe ich gehört. Im Fall von Deutschland scheint das ein relevanter Punkt zu sein, sonst würde man das nicht so tot schweigen mit Kriegsschuld und „Nazikeulen“. Die Leute in Deutschland liegen moralisch am Boden und haben Angst zu dem zu stehen, was sie eigentlich sind, deutsche Kulturmenschen. Sie haben Angst, weil sie dazu erzogen wurden, dass das gleich heißt, „den Hitler geil zu finden“ und ansonsten nichts über sich und die Historie ihres Kulturkreises zu wissen. Nur wer nicht weiß, woher er kommt, kann auch nicht sagen wer er ist, wenn er irgendwo hingeht und jemand anderes trifft, und so entsteht dann Angst. Sich dabei auf sich selbst berufen zu können im Sinne der Menschenrechte ist meiner Meinung nach absolut unabdingbar. Menschenrecht ist Völkerrecht und das Wort Volk, welches von Außen auf dem Reichstag eingemei-
ßelt steht, soll von innen ersetzt worden sein durch das Wort Bevölkerung, weil den Deutschen das völkische ab-
erzogen werden sollte. „Bevölkerung“, als Modus Operandi, ist eine statistische Größe, welche grob nach Handelsrecht stinkt, finde ich, selbst wenn dem nicht so sei.
 
Dan Davis: An anderer Stelle schreibst Du in Deinem Roman: „ Da ich schon tot war und sowieso ein Gott, ließ ich mich kurzerhand erschießen.“ Höre ich hier eine zynische Anmerkung heraus, dass wir uns überwiegend zu sehr in unserem Handeln von unseren Ängsten leiten lassen?
 
Links: Yve Darksound von WIDUKIND.
 
 
 
 
Carsten Klatte: Es gibt einen interessanten Schrift-
steller namens Eduard Bernays. Der schrieb ein Buch 1928 das heißt „Propaganda“. (Er ist auch derjenige,
der den Begriff „Lifestyle“ prägte.) Er war der Neffe von Sigmund Freud und vertrat, wie Freud auch, die These „der Mensch (die Masse) ist die Bestie“. Die Masse
ist, laut Bernays, nicht in der Lage, sich selbst zu kontrollieren und muss deshalb im Zaum gehalten werden. In Kriegszeiten nennt sich sowas dann
Propaganda, in Friedenszeiten nannte er es Public Relation. Beides hat die Manipulation der öffentlichen Meinung und somit der Öffentlichkeit zum Ziel und beides verankert posthypnotische Suggestionen im
(kollektiven) Unterbewusstsein. Die treibenden Kräfte dabei sind die animalischen oder instinktiven, weil es eben genau diese sind, welche die Masse „aus der Spur“ bringen würden, wenn man sie nicht über/durch sie lenken würde. Natürlich werden wir durch unsere Ängste ausgesteuert. Angst, Zorn und Hass. Neid, Eifersucht, Jähzorn, alles was sich darauf aufbaut, oder sich da ausformt. Am Ende ist es die Angst, mit der wir uns kontrollieren lassen, an den Stellen, wo uns das Vertrauen fehlt. Dieser Mechanismus ist sehr subtil und hat mehr mit Magie zu tun, als man erstmal so denkt. Pädagogik hat mehr mit Hypnose zu tun, als damit Lernprozesse konstant und selbst zu entwickeln, es sei denn, man ist in der Kunsttherapie, aber allein dieser Begriff ist ja schon wieder degradierend. Daran kann man sehen, welchen Stellenwert man selbst in so einem Wertesystem hat.
 
Zu erkennen, dass man selbst es ist, der diese „Glaubenssätze“ am Leben hält, ist ein Prozess, der einen unmittelbar an die eigenen Ängste bringt. An dieser Stelle ist es wie mit der „juristischen“ und der „natürlichen“ Person, man könnte sich entscheiden, wie man seiner Angst begegnen will, denn eigentlich war uns unsere Angst mal ganz lieb und teuer, warnte sie uns doch vor den vielen Gefahren, da draußen in der Natur. Heute, wo wir kulti-
viert sind, haben wir selbst keinen Platz für unsere Angst oder für ihren Wert und übergeben sie anderen, zum Beispiel der Filmindustrie, welche uns dann aber, ganz im Sinne von Bernays und Co, damit kontrolliert und fremdbestimmt.
 
Ich glaube die (momentane) westliche Welt ist ein (momentanes) Kulturgefüge, aufbauend auf Angst, eine ganze Industrie lebt davon. Eine? Was rede ich......
 
Dan Davis: Du schreibst „Die Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt, ist kein Synonym für Selbstbefriedigung!“ Du schreibst weiter, dass sich die Dinge immer zu wiederholen scheinen. Siehst Du in den Geheimgesellschaften wie den Freimaurern eher eine Gefahr, die von dunklen Mächten gelenkt wird, oder eine sinnvolle Bruderschaft?
 
Carsten Klatte: Ich sehe es eigentlich so, wie
Crowley es sah. Wenn ein magisches Unterfangen schief geht, heißt es eigentlich eher, dass der „Magier“ Mist gebaut hat und nicht, dass das System nicht funktioniert. Ich sehe Tradition als etwas sinnvolles, weil sie uns Überlieferungen gibt, von Dingen, die sich bewährt haben. Wenn dem nicht so wäre, wären sie uns auch nicht überliefert. Was die Freimaurer angeht, finde ich, dass sie in der „Bernay´schen PR-Version“ überbewertet werden oder besser gesagt, für etwas hinhalten, in einer Art, das quasi „Bildzeitungsqua-
litäten“ hat. Es ist vielleicht sogar ein schlauer Schachzug, auf den „Iluminaten“ rum zu hacken, welche sich irgendwann ein paar Jahre nach 1776 aufgelöst haben. Die damaligen Illuminaten gingen gegen die Freimaurer vor, in deren Logen man nur als Adeliger aufgenommen wurde. Ihnen ging es darum, ihre Logengeheimnisse unters Volk zu bringen. Was dabei raus kam, unter anderem die französische Revolution, können wir ja bis heute sehen, jedoch Freimaurer und Illuminaten in einem Atemzug zu nennen ist ungefähr so wie St. Pauli mit dem F.C. Bayern zu verwechseln. Zu denken „die Maurer wären sich alle einig“ ist etwas naiv.

Maurerbünde sind eine dubiose Sache. Einige beziehen sich auf Jakobus Burgundis Molensis, den letzten Groß-
meister der Tempelritter, andere beziehen sich auf alte babylonische Mondkulte oder eben den Illuminatenorden Adam Weishaupt oder den „legendären“ Christian Rosenkreuz. Es geht an dieser Stelle oftmals um den Mythos,
der sich durch solche Aufzeigungen auftut. Ein Mythos ist immer 50% der „Miete“ in einem Geheimbund. Einige,
eventuell in der katholischen Kirche, haben sogar eine relativ weit zurück reichende Historie im Sinne einer Sukzessionslinie, aber das heißt wirklich absolut gar nichts. Crowley sagte auch irgendwann einmal, dass du
dem dümmsten Menschen auf der Welt einmal in seinem Leben Kokain geben solltest, damit er mal den Genuss
von Macht verspürt. Ich glaube, das trifft leider auf die meisten „erlauchten Meister“ zu heutzutage, welche es nötig haben, sich hinter staubigen Schürzen zu verstecken. Diese Leute sind dann auch durchaus gefährlich. Sie sind es aber nicht, weil sie Maurer sind, sie könnten auch Terroristen sein oder Amokläufer.
 
Ich habe einen viel zu großen Respekt vor echten, erlauchten Möglichkeiten des inneren Wachstums, wozu ich
die Idee der Freimaurerei im Idealfall auch zähle. Es ist dabei allerdings durchaus interessant zu sehen, wem eine schlechte Maurer PR eigentlich nützt. Warum soll es mich interessieren, dass „die Großmutter von Bush die Toch-
ter Crowleys sein soll“ und die da in Washington und Hollywood alle böse Satanisten sind? Die Masse denkt doch
sofort, dass das alles stimmt und die Ideen Crowleys, Thelema und das Gesetz von „Tue was du willst“ ist der Schlüssel zum Bösen, sprich, sie lassen ihre Finger davon.
 
Aber vielleicht wäre ein kollektiveres „Tue was du willst“ ja eigentlich genau das, was uns fehlt!?
 
Könnte es sein, dass bei genauerer Betrachtung die „Doktrin der Freiheit“, „tue was du willst“ im eigentlichen Sinne das ist, was JEDEN befreien könnte, im Sinne von Beuys erweiterten Kunstbegriff, in Analogie zu den Ausführungen der Sozialen Plastik, siehe wie zuvor genannt?!
 
Dan Davis: Ja, wäre durchaus möglich. Anderes Thema. Ihr habt im Januar 2012 die Band Kirlian Camera supportet. Wie war´s?
 
Carsten Klatte: Es war ein sehr schönes Konzert. Leider viel zu kurz. Und Kirlian Camera, die uns eingeladen haben, waren perfekte Gastgeber.
 
Dan Davis: Ach, da fällt mir noch etwas ein. Kannst Du den Lesern erklären, was Du unter „Internationalsozialismus“ verstehst?
 
Links: Carsten Klatte, links live mit Peter Hep-
pner, rechts, & Band am 5.2.2009 im Werk II.
 
Carsten Klatte: Internationalsozialismus ist ein
Wortspiel aus dem Internet. Es ist natürlich angelehnt an „Nationalsozialismus“, wovon je-
der sofort einen Begriff hat.
 
Internationalsozialismus oder „Globanalisierung“,
wie ich Globalismus in meinem Essay etwas
satirisch bezeichne, benutzen dieselben Mecha-
nismen wie der Nationalsozialismus, sie scheinen nach „unten“ hin sozial zu sein, zumindest für die „eigene Gemeinschaft“, und sind nach „oben“ autoritär. Hartz IV und ESM zum Beispiel. Der Begriff „Internationalsozialismus“ stammt ja nicht von mir, so wie eigentlich alle „Ideen“ aus dem Buch von mir eher aufgegriffen wurden und in einen gewissen Kontext gestellt sind. Die we-
sentliche Quelle aller Infos ist ja heutzutage das Internet und dort finden ja auch die kulturellen
Kontroversen statt, da nirgendwo sonst ein Platz zu finden ist, für „alternative“ Meinungen und Informationen.
 
Dan Davis: Die Widukind-CD ist, wie ich finde, ein Knaller. Wenn man Neo-Folk m ag, sollte man auf jeden Fall mal hineinhören. Hast Du trotzdem einen LieblingsSong?
 
Carsten Klatte: Ich glaube, das kannst du mich nicht fragen, da ich jeden Song geschrieben habe. Ich liebe mein „Duett“ mit Yve, „Licht“ oder auch den Song mit Mathias Eysen. Ich mag alle Stücke, ich bin schließlich der Musiker (grinst).
 
Dan Davis: Ist das Projekt La Casa del Cid von Dir Geschichte, oder wird hier noch etwas nachkommen?
 
Carsten Klatte: So genau wissen tut das keiner, am wenigsten ich selbst. Im Moment jedoch arbeite ich an weiterem Widukind-Zeug und an einer neuen Carsten KlatteSolo-Platte. Ich habe so viele Songs geschrieben in der letzten Zeit, wo ich auf Muttersprache umgestellt habe, musste mich quasi erstmal austoben und se-
hen, was alles so geht, dass ich ohne weiteres 2 Alben deutsche Chansons machen könnte, allein im Augen-
blick. Potential ist also genug vorhanden, ob das jetzt irgendwann mal wieder zu Lacasa del Cid wird, steht in den Sternen.Im Moment habe ich da keinen Gedanken dran.
 
Dan Davis: Könntest Du Dir eines Tages eine musikalische Zusammenarbeit zwischen Dir und Constance Rudert (Blutengel / Cinderella Effect) vorstellen, die Du ja ebenfalls persönlich kennst
und deren Interview im Cover Up! Newsmagazine letztlich auch zu diesem Interview geführt hat?
 
Carsten Klatte: Wenn die Ausarbeitung von so mancher Idee nicht auch immer mit so viel Energie und Zeit verbunden wäre, könnte ich mir so einiges vorstellen und darunter sicher auch das. Im Moment ist das aber eher ausgeschlossen.
 
Dan Davis: Was steht bei Dir im Jahr 2012 noch an? Eventuell das eine oder andere Konzert?
 
Carsten Klatte: Ja. Wahrscheinlich werden wir mit Widukind ein Konzert haben auf dem WGT (Wave Gothic Treffen) und im Herbst, sofern die Götter mit uns sind, eine Tour machen. Infos und Neues von Widukind gibt es immer unter www.widukinder.de ...
 
Dan Davis: Carsten, vielen Dank für Deine ausführlichen Worte. Und alles Gute für WIDUKIND und schöne Grüße auch an Yve!
 
 
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Widukind - Licht
 
 
 
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La Casa Del Cid Live: The Seeker Schwarze Seiten
 
(Copyright by COVER UP! Newsmagazine, 22.03.2012)
(Fotos Copyright bei C. Klatte)
 
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